Der junge Mann und das Mädchen

5
Jun
2009

Der junge Mann und das Mädchen

Murder

Sie trafen sich auf einem Fest
und riefen: "Hoch die Tassen!"
Sie tanzten ausgelassen,
ein Glas Absinth gab ihr den Rest.

Er war ein hübscher junger Mann
mit schmalen blassen Händen.
Sie wollte sich verschwenden
und nahm ihn mit sich irgendwann.

Sie wachte auf in seinem Arm,
er sah auf sie hernieder,
dann liebten sie sich wieder.
Sein Körper war so weich und warm.

Er hatte Witz, er hatte Geist
und keinen Cent auf Tasche,
griff manchen Tag zur Flasche.
Doch sie verzieh es ihm zumeist.

Sie ging zur Arbeit früh um fünf,
er schlief noch wie ein Engel
und war doch nur ein Bengel.
Stumm stopfte sie ihm seine Strümpf.

Die Liebe, sie macht dumm und blind.
Sie stellte keine Fragen,
wollt alle Last ertragen.
Dann hieß es, sie bekäm ein Kind.

Da machte er sich flink hinweg
und kehrte niemals wieder.
Nachts sang sie Wiegenlieder
und kam sich vor wie ein Stück Dreck.

Der junge Mann ist beim Papa
dann flugs zu Kreuz gekrochen
und schon nach ein paar Wochen
war eine Braut mit Mitgift da.

Sie feierten ihr Hochzeitsfest
mit Pauken und Trompeten.
Er kam nicht mehr zum Beten,
sechs Schüsse gaben ihm den Rest.

Nun wiegt sie sacht ihr kleines Kind
in einer dunklen Zelle.
Ein Lied, vergnügt und helle,
trägt in die Nacht hinaus der Wind.

(Bild: Ruth Ellis)
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