6
Nov
2016

Halloween

O schaurig ist’s an Halloween,
wenn Monster um die Häuser ziehn.
Ich schaue aus dem Fenster,
seh grausige Gespenster.

Vampire, kaum drei Käse hoch,
ein Zombie hat im Kopf ein Loch,
der Hexentanz ums Feuer
ist auch nicht ganz geheuer.

Wie gut, dass ich hier sicher bin!
Ich geh zum Sofa, leg mich hin.
Die Geister sollen draußen
wohl durch die Herbstnacht sausen.

Da plötzlich rumpelt es im Flur.
Ich schleich mich an. Was ist das nur,
das in der Kiste rappelt
und wie besessen zappelt?

Ein rosa Näschen kommt hervor,
ein weißer Bart, ein schwarzes Ohr.
Es ist ja nur mein Kätzchen.
Hast mich erschreckt, mein Schätzchen!
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29
Okt
2016

WP

Berlin, Berlin,
stinkst nach Urin.
In Mannheims frischer Luft
liegt ein viel bessrer Duft.

Ich möcht mich dran berauschen,
der Wanderpredigt lauschen
und noch so manches mehr,
o Wanderprediger.

Doch ist die Fahrt zu teuer,
ein Spiel wär's mit dem Feuer.
Ich fahr nicht hin,
bleib in Berlin.

Du kommst bestimmt mal her,
o Wanderprediger.
Hier am vertrauten Ort
käm ich auch mal zu Wort.
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14
Sep
2016

An Werner

Zwar warst du kleiner noch als ich,
doch war’s egal, ich liebte dich,
ging neben dir am Rinnstein lang,
sogleich warst du ein großer Mann.

Genau wie Robert Zimmermann
warst du als Denker wohlbekannt.
Hast bei Appellen unbeirrt
die Mao-Bibel rezitiert.

Hast für ne Dorfmannschaft gekickt,
du warst blitzschnell, ich war entzückt.
Beim Mofa fahren hat’s gekracht,
hat nur paar Schrammen eingebracht.

Als du die Sowjetfahne nahmst,
am Stadiondach ins Straucheln kamst,
als Edith lief ins Krankenhaus,
da sah die Sache schlimmer aus.

Wie schmerzlich hab ich dich vermisst,
was eigentlich nicht wichtig ist,
dein wacher Geist war schon allein
auf meinem Weg ein Meilenstein.

Und klopfst du an das Himmelstor,
schenkt Gott dir sein geneigtes Ohr.
Auch Rino freut sich sicher sehr,
vermisst nun seinen Freund nicht mehr.

Zwar scheint ihr so unendlich fern,
wir sitzen noch auf diesem Stern,
doch wo ihr im Moment auch seid,
wir bleiben eins für alle Zeit!
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28
Aug
2016

Eine komische Heilige

Ich sah mich als Mutter Teresa,
so edel und selbstlos und rein,
wollt auch eine Heilige sein.
Doch bin ich in Wahrheit viel böser.

Den Weg, den ich ging, pflastern Leichen,
ihr Grabmal ist mein Herz aus Stein,
und sollten auch Unwetter sein,
es wird niemals wanken und weichen.

Doch kann ich nicht länger verweilen
am Kai, denn es ruft mich die See.
Das Schiff wartet, muss mich beeilen.

Ich sag meinen Leichen Ade,
gelobe, die Beute zu teilen
und kreuze die Finger, hehe.
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8
Aug
2016

Freiheit für Chelsea Manning

Es herrschten Unrecht und Gewalt
in Bagdad und Afghanistan.
Das ließ dein gutes Herz nicht kalt,
du klagtest die Verbrecher an.

Die Wahrheit brachtest du ans Licht.
Man folterte dich manche Nacht,
man stellte dich vors Kriegsgericht
und sperrte dich in Einzelhaft.

Die Massenmörder sprach man frei,
der Schaden war kollateral,
denn im Irak herrscht Barbarei,
da hat man manchmal keine Wahl.

Ach, über dreißig Jahre lang
sollst du noch sitzen ganz allein.
Ich hoffe nur, dir wird nicht bang,
sollst Heldin, nicht Märtyrer sein.

Wenn du mal raus kämst, wärst du alt,
und ich läg auf dem Friedhof schon.
Ich glaub, wir müssen mit Gewalt
dich vorher aus dem Knast raus holn.

Vielleicht hilft ja ne Petition
und unser friedlicher Protest.
Vielleicht reicht es fürs erste schon,
wenn Mann dich endlich Frau sein lässt.

Dass du schon bald in Freiheit bist,
dass dich ein hübscher Kavalier
auf deine roten Lippen küsst,
das, liebe Chelsea, wünsch ich dir!
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13
Jul
2016

Das Band der Freundschaft

Lasst uns das Band der Freundschaft binden
ganz fest und dennoch ohne Zwang.
Es wird uns fesseln lebenslang,
wird selbst den Tod noch überwinden.

Wir fürchten nicht das Älterwerden,
nicht Bitternis noch Einsamkeit,
sind doch die Freunde allezeit
für uns ein Ruhepol auf Erden.

Lasst uns das Dasein hier genießen
gemeinsam und im Übermaß
und unser Lebensglück begießen.

Wir haben jede Menge Spaß,
den lassen wir uns nicht vermiesen
von Größenwahn und Rassenhass.
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24
Jun
2016

Grabgesang für Federico García Lorca

Nach seiner "Casida der dunklen Tauben"

Durch die Zweige des Lorbeerbaums
sah ich sein schönes Gesicht.
Es war leuchtend wie die Sonne,
düster wie der Mond.
"Liebster," sagte ich,
"wo ist dein Grab?"
"Im Schwanz der Sonne,"
sagte die Taube,
"im Hals des Mondes,
dort ist mein Grab."
Er hatte auf seiner Wanderung
ans Ende der Welt
zwei eiserne Adler gesehen
und ein totes Kind.
Der eine war der andere,
der Junge war niemand.
"Junge," sagte ich,
"wo ist dein Grab?"
"Im Schwanz der Sonne,"
sagte die Taube,
"in der Kehle des Mondes
und in den Herzen
aller Liebenden,
da findest du mein Grab."
Durch die Zweige des Lorbeerbaums
sah ich zwei Tauben.
Die eine war die andere,
die Adler waren niemand.
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Casida fúnebre a Federico García Lorca

Parafraseando a su "Casida de las palomas oscuras"

Por las ramas del laurel
vi su cara,
luminosa como el sol
y oscura como la luna.
"Amante", le dije,
"¿dónde está su sepultura?"
"En la cola del sol,
el gañón de la luna",
dijo la paloma.
Y él que había caminado
desde la tierra en el desconocido
vio dos águilas de hierro,
vio un niño con alas de musgo.
La una era la otra,
el niño era ninguno.
"Niño", le dije,
"¿dónde está su sepultura?"
"En la cola del sol,
la garganta de la luna
y el fondo de los corazones tristes",
así dijo la paloma.
Por las ramas del laurel
las palomas.
La una era la otra,
las águilas eran ninguna.
500 mal gelesen

20
Jun
2016

Signos

Antes Judá, siempre Judá,
con estrella amarilla.
Aunque llevas hoy bermuda,
te conozco, víctima.

Antes rata, siempre rata,
con el número tatuado.
¡Cállate, cabrona roja!
Presto morderás el polvo.

Mariquita, mariquita,
rosa como una chica,
mi saliva en tu cara
ve bien con tus lágrimas.

¡Ay, gitano! Toca, canta
para mí canciones tristes,
y te dejo vivo, perro,
remoto de mis países.

Antes nazi, siempre nazi,
la bandera de la guerra
ondeará el canalla
hasta que la diñará...
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Hinter dem Deiche

Zur Sommerszeit hinter dem Deiche,
da lacht dir die Sonn' ins Gesicht.
Da gibt’s weder Arme noch Reiche,
da ruft keine lästige Pflicht.

Da wiegt sich das Schilfgras im Winde,
da küssen die Wellen das Land.
Da wirst du von Neuem zum Kinde
und baust dir ein Schloss in den Sand.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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