7
Jan
2012

Oh happy day

Was kümmern mich die Wölfe
und grauen Eminenzen,
ich will bis früh um Elfe
den öden Alltag schwänzen.

Will unter kahlen Bäumen
mit rauen Winden tanzen,
von blauen Blumen träumen,
gepflegt von den Emanzen.

Werd wie in alten Zeiten
mein Schwert in Händen halten,
mit schwarzen Rittern streiten,
auf dass sie bald erkalten.

Brat mir zur Stärkung Tofu
und trinke ein paar Astra,
seh Rio bei der Show zu,
im Pfeifchen glimmt der Knaster.

Dann schreib ich ein paar Zeilen
und spiele ein paar Spiele,
um schließlich fort zu eilen,
der Ziele gibt es viele.

Im Westen und im Osten
zieh ich durch die Reviere,
um Menschenfleisch zu kosten
und Teufelselixiere.

Vernehm den wilden Rhythmus
der Großstadt, die ich liebe,
bei dem man einfach mit muss
mit Drängeln und Geschiebe.

2
Jan
2012

In einem Haus

"In einem Haus, auf feinem Tannenreiser,
sitzen ein Bettelmann und ein Kaiser.
Beide summen und lachen und trinken
und reden laut und leise und winken.
Ein volles Jahr rollt über das Dach.
Ein volles Jahr rollt über das Dach."
(Jesse Thoor)


Ein neues Jahr hat angefangen.
Der Kaiser ist längst fort gegangen.
Der Bettler sitzt hier ganz alleine.
Es lacht der Geldsack, der gemeine.

Ein volles Jahr rollt übers Dach,
es brachte Schmach und Ungemach.
Ob jener arme Bettelmann
die Welt noch mal verändern kann?

In vielen Häusern sitzen Arme,
so elend, dass sich Gott erbarme.
Gemeinsam könnte es gelingen,
den fiesen Geldsack zu bezwingen.

Ein neues Jahr rollt übers Dach.
Ihr Bettelleute, werdet wach!

24
Dez
2011

Meinem Peer

Schlaf denn, teuerster Junge mein!
Ich wiege Dich und ich wache. –

Auf meinem Schoß hat mein Junge gescherzt,
Hat ihn seine Mutter sein Lebtag geherzt.

An Mutters Brust hat mein Junge geruht,
Sein Lebtag. Gott segne Dich, mein einzigstes Gut!

An meinem Herzen zunächst war sein Platz,
Sein Lebtag. Jetzt ist er so müd', mein Schatz.

Schlaf denn, teuerster Junge mein!
Ich wiege Dich und ich wache!

Ich wiege Dich und ich wache; -
Schlaf und träum', lieber Junge mein!

(Solveigs Lied)

***

Schlaf denn, teuerster Junge mein!
Ich wiege Dich und ich wache. –

Trinkst Lebenslust aus Bechern übervoll,
erzählst, fabulierst, erdenkst Späße wie toll.

Brichst Herzen, bringst Schmerzen, mir ist’s egal,
du bist ja mein Leben, hab keine Wahl.

Fährst über die Meere, suchst fern dein Glück,
vergebens dein Streben, komm doch zurück.

Schlaf denn, teuerster Junge mein!
Ich wiege Dich und ich wache!

Ich wiege Dich und ich wache; -
Schlaf und träum', lieber Junge mein!

(Jennys Lied)

14
Dez
2011

Armes Ding

Es war einmal ein armes Ding,
das hilflos hinterm Tresen hing,
ganz blau gehaun von einem Typ
und keiner hatte es mehr lieb.

Und als es schien als ging nichts mehr,
kam ihm ein Engel in die Quer,
der ihm gleich Schutz und Obdach bot,
ein Ende hatte nun die Not.

Das arme Ding, es wurde krank,
doch unter himmlischem Gesang
war immerfort der Engel da
mit Nektar und Ambrosia.

Und wurden ihm die Flügel lahm,
befiel den Engel keine Scham,
er flog hinaus und hat bei Nacht
sich noch paar Dinger angelacht.

So’n Engel wird manchmal brutal
und manches Ding erleidet Qual.
Dann fliegt er reumütig nach Haus,
dort macht sein Ding ihm den Garaus.

12
Dez
2011

Mit dir

Mit dir möcht ich am Tresen stehen,
am Sonntag ins Museum gehen,
beim Frühstückskaffee diskutieren,
im Winter kuscheln, wenn wir frieren.

Ich möchte mit dir Dampfer fahren,
du Junge mit den blonden Haaren,
die Weltrevolution entfachen,
ein paar Experimente machen.

OK, ich weiß, ich hab’s vermasselt,
hab dir die Ohren vollgequasselt.
Ich sperrte dich in ein Gefängnis.
Mein Ego wurde zum Verhängnis.

Du bist ein Schweiger und kein Beichter,
das macht die Sache auch nicht leichter.
Ich lebe hier, du in der Ferne.
Hast du mich überhaupt noch gerne?

Was war, das kann uns keiner nehmen,
wir beide müssen uns nicht schämen.
Farewell, my love! Hab ich im Gehen
nicht einen Silberstreif gesehen?

9
Dez
2011

Zerrissen

Ich war so gerne deine Braut,
war glücklich, habe dir vertraut.
Als es zerrissen war, mein Hemd,
erkannte ich: Du warst mir fremd.

Sind sie ein Albtraum oder wahr,
die kalten Augen, die ich sah?
Was war das für ein böses Spiel,
als ich in Dunkelheit verfiel?

War es dir Ernst mit manchem Scherz,
verspürte ich gar Lust am Schmerz?
Dein liebes Wesen, ist es echt?
Bin ich verrückt? Bin ungerecht?

Ich war so wütend und verletzt,
hab dir auch übel zugesetzt.
Seh ich der Wahrheit ins Gesicht,
wenn du mir sagst, du willst mich nicht?

Ist noch ein Funken Liebe da?
Wird's so sein, als ob gar nichts war?
Könnte es je wie früher sein?
Bleibt man am besten ganz allein?

8
Dez
2011

Rotkäppchen und der Wolf

"Rotkäppchen, Rotkäppchen,
sei wachsam und hüte dich!
Du wirst sonst zum Schnäppchen
vom Wolf, das wär fürchterlich!

Bleib stets auf den Wegen,
die eben und sicher sind.
Kommt dir wer entgegen,
dann lauf, was du kannst, mein Kind!"

"Die Mutter, die Mutter,
sie warnt mich. Ich weiß es ja,
bin ich erst mal Futter
vom Wolf, bin ich nicht mehr da.

Doch such ich nicht Pfade,
die längst ausgetreten sind.
Es wär jammerschade,
ging ich meiner Wege blind.

Mein Leben ist teuer,
doch reizvoll ist die Gefahr.
Verbrenn ich im Feuer,
wusst ich doch, was Leben war." -

Der Wolf schwor ihr Liebe,
erschien ihr als Kavalier.
Aufgrund seiner Triebe
ist sie heute nicht mehr hier.

26
Nov
2011

Röslein rot und blau

Ein wilder Knab' die Rosi traf,
entriss sie dem Dornröschenschlaf,
brach sie und warf sie fort danach.
Der Traum ist aus. Sie ist hellwach.

Nachdem das Unglück ihr geschah,
liegt sie noch lange reglos da.
Still weint sie alle Kissen nass,
fühlt Schmerz und Scham im Übermaß.

Steht schließlich auf aus ihrem Bett,
spuckt Gift und Galle ins Klosett,
wischt sich das Sperma von der Brust,
die blau ist von des Knaben Lust.

Mit einem ehernen Gesicht
tritt sie hinaus ins Sonnenlicht
und eine Rose schmückt ihr Haar
vom Strauß, der einst ihr Brautstrauß war.
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Verlorenes Paradies

Petra Namyslo

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