30
Jan
2017

HEL

Suchte ich nach einem Mann,
einem Mann, der alles kann,
der viel weiß und der viel fragt,
freundlich ist, die Wahrheit sagt,
suchte ich ihn, meiner Seel,
fänd ich dich, mein lieber HEL.

Oh, das gäb ne Keilerei!
Erstens bist du nicht mehr frei,
zweitens, drittens wartet da
furchtbar der Erinnyen Schar
längst auf ihren Marschbefehl.
Nein, ich lass es lieber, HEL.

Freunde sind wir allezeit,
sind zum Federkrieg bereit,
wollen wie das Wasser sein
und zerbrechen Stein um Stein
ohne großes Rumkrakeel.
Heute und für immer: HEL.
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22
Jan
2017

Bye-bye King Kong

Als King Kong aus dem Dschungel kam
per Schiff über den Ozean,
da sah er in der New York Bay
die stolze Dame weiß wie Schnee.

Sie stand gen Himmel aufgereckt.
Wie gerne hätt er sie befleckt.
Er glaubte ja, dass allezeit
das Weibsvolk sei für ihn bereit.

Die stolze Frau jedoch blieb kalt.
Da nahm er sie sich mit Gewalt,
hat sie in tiefster schwarzer Nacht
in einen hohen Turm gebracht

und führte fortan die Regie
im Sweet, sweet Land of Liberty
mit den Primaten. Welch ein Graus,
ne Schmiere kam dabei heraus.

Sein Regiment war fürchterlich.
Er log, die Balken bogen sich.
Das Volk war taub und stumm und blind,
wie’s die drei Affen eben sind.

Der Frühling naht, die Sonne lacht,
das Inselvolk ist aufgewacht.
Das Jahr des Affen geht vorbei,
bald ist die Dame wieder frei.
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8
Jan
2017

Augustin

Kartoffelaugen starrn mich an
zu mittäglicher Stund.
Ich setz mein scharfes Messer dran,
du andalusscher Hund.

Damit ich lebe, töte ich,
was es auf Erden gibt:
Erdapfel, Eismeer, Enterich,
den Einen, der mich liebt.

Damit ich lebe, raube ich
die Arbeitskraft, das Öl.
Erbarmungslos und fürchterlich
rück ich zu Leib der Seel.

Dass ich das größte Raubtier bin,
das habe ich im Sinn.
Oh weh, ich dummer Augustin,
und nun ist alles hin.
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20
Dez
2016

In seinem Namen

Wie selig ist die Weihnachtszeit,
das Fest des Friedens und der Liebe,
da Jesus unser Bruder war.
Und trotzdem gibt es oftmals Streit,
und gar nicht selten setzt es Hiebe,
und Gott erscheint uns unnahbar.

Ein ferner Gott auf einem Thron,
auf Erden thronen die Vertreter,
die schicken Drohnen in die Welt.
Gott aber schickte seinen Sohn,
der war gewiss kein Attentäter,
der machte sich auch nichts aus Geld.

Hielt lieber seinen Tempel rein.
Der würde keine Waffen segnen,
wär er bei uns das ganze Jahr.
Wir könnten einfach Brüder sein,
dann würde er uns auch begegnen,
der uns doch immer nahe war.
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6
Nov
2016

Halloween

O schaurig ist’s an Halloween,
wenn Monster um die Häuser ziehn.
Ich schaue aus dem Fenster,
seh grausige Gespenster.

Vampire, kaum drei Käse hoch,
ein Zombie hat im Kopf ein Loch,
der Hexentanz ums Feuer
ist auch nicht ganz geheuer.

Wie gut, dass ich hier sicher bin!
Ich geh zum Sofa, leg mich hin.
Die Geister sollen draußen
wohl durch die Herbstnacht sausen.

Da plötzlich rumpelt es im Flur.
Ich schleich mich an. Was ist das nur,
das in der Kiste rappelt
und wie besessen zappelt?

Ein rosa Näschen kommt hervor,
ein weißer Bart, ein schwarzes Ohr.
Es ist ja nur mein Kätzchen.
Hast mich erschreckt, mein Schätzchen!
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29
Okt
2016

WP

Berlin, Berlin,
stinkst nach Urin.
In Mannheims frischer Luft
liegt ein viel bessrer Duft.

Ich möcht mich dran berauschen,
der Wanderpredigt lauschen
und noch so manches mehr,
o Wanderprediger.

Doch ist die Fahrt zu teuer,
ein Spiel wär's mit dem Feuer.
Ich fahr nicht hin,
bleib in Berlin.

Du kommst bestimmt mal her,
o Wanderprediger.
Hier am vertrauten Ort
käm ich auch mal zu Wort.
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14
Sep
2016

An Werner

Zwar warst du kleiner noch als ich,
doch war’s egal, ich liebte dich,
ging neben dir am Rinnstein lang,
sogleich warst du ein großer Mann.

Genau wie Robert Zimmermann
warst du als Denker wohlbekannt.
Hast bei Appellen unbeirrt
die Mao-Bibel rezitiert.

Hast für ne Dorfmannschaft gekickt,
du warst blitzschnell, ich war entzückt.
Beim Mofa fahren hat’s gekracht,
hat nur paar Schrammen eingebracht.

Als du die Sowjetfahne nahmst,
am Stadiondach ins Straucheln kamst,
als Edith lief ins Krankenhaus,
da sah die Sache schlimmer aus.

Wie schmerzlich hab ich dich vermisst,
was eigentlich nicht wichtig ist,
dein wacher Geist war schon allein
auf meinem Weg ein Meilenstein.

Und klopfst du an das Himmelstor,
schenkt Gott dir sein geneigtes Ohr.
Auch Rino freut sich sicher sehr,
vermisst nun seinen Freund nicht mehr.

Zwar scheint ihr so unendlich fern,
wir sitzen noch auf diesem Stern,
doch wo ihr im Moment auch seid,
wir bleiben eins für alle Zeit!
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28
Aug
2016

Eine komische Heilige

Ich sah mich als Mutter Teresa,
so edel und selbstlos und rein,
wollt auch eine Heilige sein.
Doch bin ich in Wahrheit viel böser.

Den Weg, den ich ging, pflastern Leichen,
ihr Grabmal ist mein Herz aus Stein,
und sollten auch Unwetter sein,
es wird niemals wanken und weichen.

Doch kann ich nicht länger verweilen
am Kai, denn es ruft mich die See.
Das Schiff wartet, muss mich beeilen.

Ich sag meinen Leichen Ade,
gelobe, die Beute zu teilen
und kreuze die Finger, hehe.
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Halbe Frau

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