5
Apr
2017

Kassandra

Warst die edelste Frau, ganz Hellas pries dich, Kassandra.
Königstochter warst du, Trojas und Priamos‘ Glanz.
Hast das Kriegshandwerk früh erlernt von Penthesilea.
Und im Tempel, wie süß sangst du Athene dein Lob.

Du wärst schön, sagten sie, ebenso wie Aphrodite,
Und Apollon, der Gott, hat sich unsterblich verliebt.
So empfingst du von ihm die Gabe, selten und kostbar,
In die Zukunft zu sehn, was kaum ein Auge vermag.

Oh, so stolz war dein Sinn, vergeblich war seine Werbung,
tief gekränkt war Apoll, spuckte dir gar in den Mund.
Ach, so furchtbar sein Fluch, du solltest zwar Seherin bleiben,
Doch es wurde fortan nie deinem Wort mehr geglaubt.

Und du hast sie gewarnt, doch wollten sie es nicht hören,
weshalb Troja versank in einem grausamen Krieg.
Nach Mykene kamst du und dientest ihnen als Sklavin.
Dort erdolchten sie dich, denn du hast zu viel gewusst.

Oh, Kassandra, ich wollt, die Menschen würden dir glauben,
Lernten und würden klug, ächteten künftig den Krieg,
Wären hilfreich und gut, und endlich, endlich vernünftig.
Dann, Kassandra, ja dann wär nicht vergebens dein Ruf.
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4
Apr
2017

Der Schulmeister

Komma her, und ich lehr dich das Komma.
Ist nicht schwer, aber werd endlich frommer.
Machst nicht mit? Was fürn Schitt, willst dich wehren?
Hast kein Bock? Nun, mein Stock wird dich lehren!

Viel Applaus, doch oh Graus, ist mein Stöckchen
glatt verreckt, das versteckt unterm Röckchen.
Muss erst fein nehmen ein mein Viagra
und mir zwirbeln und wirbeln das Barthaar.
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Agonie

Ach, du elendes Stroh, liegst flennend nun auf der Tenne,
Breitgetreten der Halm, der spitz war einst und so stichelnd,
Denkst voll Weh an das Feld, an Sonne, Wind und die Ähre,
Die da wächst und gedeiht zum reifen goldnen Getreide.
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26
Mrz
2017

Die gefallenen Götter

Neidischer Zwist war entbrannt um die Frucht der Erkenntnis,
Die im Gemenge entglitt ihren gierigen Händen.
Hochedle Götter, sie stiegen hinab in die Sümpfe,
Wühlten im Schlamm Tag und Nacht, doch sie konnten nichts finden.

Krochen hervor, ohne Weisheit, verroht wie die Tiere,
Bestien mit blutigen Mäulern, mit schmutzigen Klauen.
Sahen zum Himmel, zum Gipfel, umgeben von Wolken,
Hoch zum Olymp, doch ihr Platz war für immer verloren.
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6
Mrz
2017

Mirando por la ventana

Cuando miro por la ventana,
estoy empezando a sueño.
Sobre los árboles viejos
hacia el cielo Getsemaní.

Palomas, urracas, golondrinos
cogerían mis gatos
con sus zarpas depredadores,
si no volerían lejos rápidamente.

Pronto se bloquean mi vista,
quieren construir una casa
para los ricos, los listos.
Tales vecinos no lo haré!

Cuando se pone el sol
detrás de las cajas de flores,
Yo miro hacia el oeste,
donde no es mucho mejor.
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30
Jan
2017

HEL

Suchte ich nach einem Mann,
einem Mann, der alles kann,
der viel weiß und der viel fragt,
freundlich ist, die Wahrheit sagt,
suchte ich ihn, meiner Seel,
fänd ich dich, mein lieber HEL.

Oh, das gäb ne Keilerei!
Erstens bist du nicht mehr frei,
zweitens, drittens wartet da
furchtbar der Erinnyen Schar
längst auf ihren Marschbefehl.
Nein, ich lass es lieber, HEL.

Freunde sind wir allezeit,
sind zum Federkrieg bereit,
wollen wie das Wasser sein
und zerbrechen Stein um Stein
ohne großes Rumkrakeel.
Heute und für immer: HEL.

***

HEL:

Ja ich such nach einer frau
der ich dingenslos vertrau
bin auf kaperfahrt auf jück
hab vielleicht auch wieder glück
Auf dem menschendeck da hat's
platz für holzwurm
katz & ratz

Jene zwei sind schwarz verklebt
zu weit weg als daß das lebt
und zu dicht daß ich was seh
nebelhorn von jwd
Ach sie sinken auf den grund
mund an arsch &
arsch an mund

Große fahrt um eisberg rum
beute basch fürs zerebrum
dichten daß die schwarte kracht
wo der sturm achiele macht
Freunde sind wir akkurat
sei dein maat und
seist mein maat
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22
Jan
2017

Bye-bye King Kong

Als King Kong aus dem Dschungel kam
per Schiff über den Ozean,
da sah er in der New York Bay
die stolze Dame weiß wie Schnee.

Sie stand gen Himmel aufgereckt.
Wie gerne hätt er sie befleckt.
Er glaubte ja, dass allezeit
das Weibsvolk sei für ihn bereit.

Die stolze Frau jedoch blieb kalt.
Da nahm er sie sich mit Gewalt,
hat sie in tiefster schwarzer Nacht
in einen hohen Turm gebracht

und führte fortan die Regie
im sweet, sweet Land of Liberty
samt den Primaten, welch ein Graus.
Ne Schmiere kam dabei heraus.

Sein Regiment war fürchterlich.
Er log, die Balken bogen sich.
Das Volk war taub und stumm und blind,
wie’s die drei Affen eben sind.

Der Frühling naht, die Sonne lacht,
das Inselvolk ist aufgewacht.
Das Jahr der Affen geht vorbei,
bald ist die Dame wieder frei.
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8
Jan
2017

Augustin

Kartoffelaugen starrn mich an
zu mittäglicher Stund.
Ich setz mein scharfes Messer dran,
du andalusscher Hund.

Damit ich lebe, töte ich,
was es auf Erden gibt:
Erdapfel, Eismeer, Enterich,
den Einen, der mich liebt.

Damit ich lebe, raube ich
die Arbeitskraft, das Öl.
Erbarmungslos und fürchterlich
rück ich zu Leib der Seel.

Dass ich das größte Raubtier bin,
das habe ich im Sinn.
Oh weh, ich dummer Augustin,
und nun ist alles hin.
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20
Dez
2016

In seinem Namen

Wie selig ist die Weihnachtszeit,
das Fest des Friedens und der Liebe,
da Jesus unser Bruder war.
Und trotzdem gibt es oftmals Streit,
und gar nicht selten setzt es Hiebe,
und Gott erscheint uns unnahbar.

Ein ferner Gott auf einem Thron,
auf Erden thronen die Vertreter,
die schicken Drohnen in die Welt.
Gott aber schickte seinen Sohn,
der war gewiss kein Attentäter,
der machte sich auch nichts aus Geld.

Hielt lieber seinen Tempel rein.
Der würde keine Waffen segnen,
wär er bei uns das ganze Jahr.
Wir könnten einfach Brüder sein,
dann würde er uns auch begegnen,
der uns doch immer nahe war.
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