Der Domestike

17
Apr
2010

Der Domestike

Bazille2

Es lebte einst ein Domestike
so tugendhaft wie ein Spartaner,
jedoch im Dienst von Madame Nike
wurde er heimlich zum Schuhspanner.

Pantöffelchen aus reiner Seide,
mit bunten Federn reich geschmückt,
wie oft hat diese Augenweide
den Liebestollen still beglückt.

Die Riemchen güldner Sandaletten
bereiteten ihm süßen Schmerz,
sie wanden sich gleich schweren Ketten
auf ewiglich um Hand und Herz.

Nachts spiegelten sich tausend Sterne
hell auf den Tanzschuhen aus Glas,
in heißem Sehnen hat er gerne
darin vergraben seine Nas.

Die Stiefel mit den hohen Hacken
aus weichem Leder bis zum Knie
wichste er mit gebeugtem Nacken
in selbstvergessener Manie.

Als ihn die Domina entdeckte,
trat sie ihn wütend grün und blau,
worauf er wie ein Hund verreckte
zu Füßen der grausamen Frau.

Lass dich nicht blenden von den Frauen,
von ihrem Glanz und schönen Schein.
Denn wirst du ihre Schätze schauen,
wirst du sogleich verloren sein.

(Bild: Frederic Bazille, La Toilette)
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