Rapunzel

1
Aug
2015

Rapunzel

Es war einmal ein Ehepaar,
die Frau in guter Hoffnung war.
In diesem Zustand, wie man weiß,
ist oft der Hunger groß und heiß.

Nach den Rapunzeln stand ihr Sinn
im Garten ihrer Nachbarin,
worauf gehorsam ihr Gemahl
im Garten die Rapunzeln stahl.

Doch merkte das die Nachbarin,
Frau Gotel, eine Zauberin.
Und furchtsam, wie die Männer sind,
versprach er ihr sogleich das Kind.

Sie schnappte sich das arme Wurm
und sperrte es in einen Turm.
Dort saß Rapunzel Jahr um Jahr
und immer länger wuchs ihr Haar.

Und quälte sie die Einsamkeit,
ließ sie’s herab von Zeit zu Zeit
für Zauberin und Edelmann -
und wurde schwanger irgendwann.

Da schnitt die Zauberin brutal
Rapunzels Haar ab ratzekahl
und trieb das Mädchen mit Geschrei
in eine karge Wüstenei.

Und als ihr Liebster wiederkam,
am Haar den Weg nach oben nahm
zur Kammer der Rapunzel hin,
saß drin die böse Zauberin.

Vor Schreck sprang er vom Turm geschwind,
fiel in den Dornbusch, wurde blind
und irrte hilflos durch das Land,
bis ihn Rapunzel endlich fand.

Sie küsste innig ihren Mann
und weinte. Eine Träne rann
dem Prinzen über das Gesicht,
gab ihm zurück das Augenlicht.

Sie lebten glücklich viele Jahr
mit ihrer großen Kinderschar.
Frau Gotel raufte sich das Haar,
bis nur ein Glatzkopf übrig war.
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