26
Jul
2017

Friedhofspicknick

Der Juli ist ins Land gekommen,
und wir, wir ziehn zum Friedrichshain,
zwar gut gelaunt, doch auch beklommen,
denn Thomas wird heut bei uns sein.

Am Friedhof lässt es sich gut feiern
mit Bowle, Sekt und etwas Weed,
mit Auberginen, Käse, Eiern.
Die Amsel singt dazu ein Lied.

Hier ruht er unter alten Bäumen,
den Helden nah vom Friedrichshain.
Hier kann er alle Tage träumen,
und manchmal schneit ein Freund herein.

Die gelbe Rose blüht noch immer.
Das Grablicht strahlt nun wieder hell.
Oranger Tüll mit goldnem Schimmer.
Wir pflanzen noch was Grünes schnell.

Da gießt es plötzlich wie aus Eimern,
ein Blitz schlägt ein, der Donner kracht.
Ach, wenn wir endlich schon daheim wärn!
Hat da nicht Thomas grad gelacht?
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18
Jul
2017

Klimt am Attersee

Als die Seejungfrauen riefen,
kam das Künstlervolk in Scharen.
"Leinen los! Wohlan, wir fahren
übern Attersee, den tiefen!"

Klimt fand Schätze in den Fluten,
Gold und Silber und Türkise,
auf dem Festland eine Wiese,
wo sie freudetrunken ruhten.

Er stand auf in aller Frühe
aus dem weichen, weißen Bette,
das von ihrer Liebe glühte.

Nahm sich Pinsel und Palette,
dass ein Meisterwerk erblühe,
funkelnd wie die Seenkette.
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12
Jul
2017

My Love is Like a Heathrose Tree

My love is like a heathrose tree,
adornment of my yard.
His scent will touch internally
all fibres of my heart.

I’ll never harm my bonnie rose,
at last I’m not a male.
How bad things go, precisely shows
the heathrose in the tale.

The rascal had become a thief.
The misdeed he had done
awarded him some short relief.
The rose bud, though, she's gone.

My heathrose tree, so white and green,
ablazing with the sun,
will all the summers bloom for me
until my days are done.
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11
Jun
2017

Frühstück bei Tiffany

Yunioshi mit Miss Golightly
wohl für allezeit im Streit liegt,
denn sie ist ne freie Frau.
Das ist ihm ein Dorn im Aug.

Schön ist’s am Balkon im Frühling.
Wunderbar ist dieses Feeling,
Samstagnacht mit einem Freund
durchzuziehen einen Joint.

Traurig die Bouzoukis klangen,
als wir ein paar Lieder sangen.
Plötzlich klingelte es Sturm,
Herr Yunioshi war’s, der Wurm.

Brüllt, was ich mir würd erlauben,
würde ihm die Nachtruh rauben.
Ist’s zu laut ihm in Berlin,
soll er halt ins Umland ziehn.

Sonntagsclub und Café Lyrik
waren kulturell sehr rührig.
Nun ist Zapfenstreich um Zehn,
weil die Spießer sonst durchdrehn.

Ach Herrje, so ist es eben,
man kann nicht in Frieden leben
auf der großen weiten Welt,
wenn’s dem Nachbarn nicht gefällt.

Bin zum Prenzlberg gekommen,
habe Freiheit mir genommen.
Doch trifft meine Frohnatur
heut auf Grabesstille nur.
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19
Mai
2017

Gesucht und nicht gefunden

Einst suchte ich nach einem Mann,
nach einem Mann, der alles kann,
der mir den Müll hinunterträgt,
mir fürs Regal die Bretter sägt,
mit roten Rosen mich beglückt
und zuhört, wenn mich was bedrückt.

Da war ich wohl nicht bei Verstand,
denn alle Typen, die ich fand,
die quatschten mir die Ohren ab,
und nahmen alles, was ich hab,
sie tranken alle Flaschen leer,
verschwanden ohne Wiederkehr.

Inzwischen bin ich alt und grau,
bin eine stolze Single-Frau,
wasch keine Käsesocken rein,
kann ganz und gar ich selber sein.
Zwar gibt’s noch paar, die sind old school,
doch die sind nun mal alle schwul.
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13
Mai
2017

Nicht gescheiter

Soll ich schreiben? Lass ich’s bleiben,
lass mich durch die Kneipen treiben?
Abends feiern, morgens reihern,
lebe schließlich unter Geiern.

Mich betrinken, Andre linken,
metertief im Schnee versinken,
Schnittchen essen und vergessen
all die Dinge, die mich stressen.

Ach, die Erde dreht sich weiter
und wir werden nicht gescheiter.
Suchte ich den Sinn des Lebens,
weiß ich nun, es war vergebens.
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5
Apr
2017

Kassandra

Warst die edelste Frau, ganz Hellas pries dich, Kassandra.
Königstochter warst du, Trojas und Priamos' Glanz.
Hast das Kriegshandwerk früh erlernt von Penthesilea.
Und im Tempel, wie süß sangst du Athene dein Lob.

Du wärst schön, sagten sie, ebenso wie Aphrodite,
Und Apollon, der Gott, hat sich unsterblich verliebt.
So empfingst du von ihm die Gabe, selten und kostbar,
In die Zukunft zu sehn, was kaum ein Auge vermag.

Oh, so stolz war dein Sinn, vergeblich war seine Werbung,
tief gekränkt war Apoll, spuckte dir gar in den Mund.
Ach, so furchtbar sein Fluch, du solltest zwar Seherin bleiben,
Doch es wurde fortan nie deinem Wort mehr geglaubt.

Und du hast sie gewarnt, doch wollten sie es nicht hören,
weshalb Troja versank in einem grausamen Krieg.
Nach Mykene kamst du und dientest ihnen als Sklavin.
Dort erdolchten sie dich, denn du hast zu viel gewusst.

Oh, Kassandra, ich wollt, die Menschen würden dir glauben,
Lernten und würden klug, ächteten künftig den Krieg,
Wären hilfreich und gut, und endlich, endlich vernünftig.
Dann, Kassandra, ja dann wär nicht vergebens dein Ruf.
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4
Apr
2017

Der Schulmeister

Komma her, und ich lehr dich das Komma.
Ist nicht schwer, aber werd endlich frommer.
Machst nicht mit? Was fürn Schitt, willst dich wehren?
Hast kein Bock? Nun, mein Stock wird dich lehren!

Viel Applaus, doch oh Graus, ist mein Stöckchen
glatt verreckt, das versteckt unterm Röckchen.
Muss erst fein nehmen ein mein Viagra
und mir zwirbeln und wirbeln das Barthaar.
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Agonie

Ach, du elendes Stroh, liegst flennend nun auf der Tenne,
Breitgetreten der Halm, der spitz war einst und so stichelnd,
Denkst voll Weh an das Feld, an Sonne, Wind und die Ähre,
Die da wächst und gedeiht zum reifen goldnen Getreide.
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