7
Nov
2021

Corona (Distichen)

Ganz winzig klein ist das Virus und dennoch so überaus mächtig,
rafft fünf Millionen dahin, macht vor der Freundin nicht halt.

Spaltet die Menschen im Lande, die einig einst schienen, beträchtlich.
Hält uns den Spiegel vor, zeigt: Diese Gesellschaft ist kalt.

Nimmt sich zu wichtig und zieht, wenn’s beliebt, voller Bosheit verächtlich
über die Anderen her, greift ungehemmt zur Gewalt.

Mensch ist dem Menschen ein Wolf, aber glaubt mir, die Haltung, die rächt sich.
Hart sind die Zeiten, schon bald könnte er bersten, der Spalt.

Seid wie Corona, zwar klein, doch zusammen so überaus mächtig,
so wie die Sonnenkron', hell, heiter, von schöner Gestalt.
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25
Okt
2021

Mein Held in Strumpfhosen

Huch, je oller, um so doller!
Kommst auf dem Elektroroller
angebraust zur Morgenstund
mit nem fetten Joint im Mund.

Willst mit Single Malt anstoßen,
bettest mich auf rote Rosen,
ziehst dir schwarze Nylons an.
Steht dir gut, wer kann, der kann.

Mag das Lümmelchen nicht stehen,
musst du nicht nach Hause gehen.
Pfeifst dir paar Viagras ein,
und schon klappt's von ganz allein.

Heute ist’s ne andre Nummer
als der olle Liebeskummer,
der mich damals hat geplagt,
als ich zu dir ja gesagt.

Gerne will ich dir verzeihen,
will dir auch ne Strumpfhos leihen.
Nur mein Herz versag ich dir,
mein bestrumpfter Kavalier.
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9
Sep
2021

Praktisch

"Oh, wie praktisch!", sprach Klein Erna,
als sie sonntags unterwegs war
am Balkon von Altona
und nen Bengel pinkeln sah.

Musste sie mal Pipi machen,
hatte Erna nichts zu lachen.
Wieviel besser hat’s ein Mann,
der ganz einfach stehen kann.

Musste sie sich doch in Ecken
stets als lütte Deern verstecken,
balancieren mit dem Po
am verdreckten Bahnhofsklo.

Weil Klein Erna aber hell war,
kaufte sie ne Urinella
von nem Werk in USA,
wo man genderfreundlich war.

Fortan pinkelt sie im Stehen,
muss nicht in die Büsche gehen.
Tapfer steht sie ihren Mann,
hält die Urinella ran.

Kann im Park zehn Sterni saufen,
braucht ja nur ein Stückchen laufen,
souverän und ganz entspannt,
mit der Rinne in der Hand.

Kann wie‘n Hund nen Baum markieren,
Wege mit nem Kunstwerk zieren,
wenn ne steife Brise weht,
fluchen, wenn der Wind sich dreht.

Oh, wie praktisch für uns Frauen,
dass wir Urinellas bauen
und auf diese Art geschwind
nun auf Augenhöhe sind.
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19
Aug
2021

Erinnerung (Akrostichon)

Mondschein leuchtet in der Nacht
Auf die dunkle Lockenpracht,
Rabenschwarz wie diese Nacht...
Immergrün ist ihr Gemüt,
Blume, die so schlicht erblüht.
Edel ist sie, hilfreich, gut,
Lauter, ehrlich, frohgemut.

Aktenordner in der Hand,
Lebensklug und wortgewandt
Offenbart sie mir Madríd.
Nur wer mit dem Herzen sieht,
Sieht den Himmel und die Höll.
Oh, du fehlst mir, Maribel.
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12
Aug
2021

Verquer

"Fair is foul and foul is fair."
Dieser alte Hexenspruch
wirkt auch heute noch als Fluch,
macht uns oft das Leben schwer.

Manche Menschen denken quer.
"Lügenpresse, Diktatur!"
Viel Geschrei auf weiter Flur.
Wann greift einer zum Gewehr?

Pandemie sei eine Mär,
Widerstand sei Bürgerpflicht,
Merkel sollt vors Kriegsgericht,
all der Abschaum hinterher.

"Opfer sind wir, seht nur her!"
Kind fühlt sich wie Anne Frank,
Eltern ziehn die Straßen lang,
Judensterne am Revers.

Zwietracht überall seither.
Immer schärfer wird der Ton.
Ein paar Führer rechnen schon
freudig mit der Wiederkehr.

Sei Macbeth euch eine Lehr.
Lasst euch nicht den Kopf verdrehn,
denn noch eh wir uns versehn
gäb es keinen Frieden mehr.
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29
Jun
2021

Manu Miau Brüderchen

Bruederchen

Ich hab mein Herz verloren,
bin über beide Ohren
verliebt in Manu Neuer.
Doch Neuer ist zu teuer.

Mein Brüderchen ist billig,
ist motiviert und willig,
greift blitzschnell nach dem Balle
mit seiner scharfen Kralle.

Ich kann mich drauf verlassen,
es wird die Kugeln fassen,
die durch die Lüfte fliegen.
Ganz klar, wir werden siegen!

Am Ende darf ich’s kraulen,
hab keinen Grund zum Maulen.
Es weilt nicht in der Ferne,
das hat ein Frauchen gerne.

Nur eines fehlt dem Kinde:
die Regenbogenbinde!
Denn wollt ich's damit zieren,
bekäm ich das zu spüren.
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9
Jun
2021

Keine Rettung

Mein Katerchen, mein Sonnenschein,
bald wirst du nicht mehr bei uns sein.
Nicht mehr viel Zeit ist uns gegeben
für unser einträchtiges Leben.

Du bist so mager, kahl dein Fell.
Ach, der Verfall kam viel zu schnell.
Ob es noch etwas Hilfe gibt
für einen, der das Leben liebt?

Bei deinem Anblick muss ich weinen.
Oh Gott, lass noch viel Sonne scheinen,
gib ihm noch Kraft und Appetit,
eh’s Schicksal seine Kreise zieht.
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25
Mai
2021

An Katerchen und Brüderchen

Katerchen und Brüderchen,
ach, es könnt euch besser gehn.
Seid nun beide vierzehn Jahr,
und nichts ist, wie’s früher war.

Katerchen, einst dick und fett,
bist nun fast schon ein Skelett.
Bleibst vielleicht nicht mehr so dünn,
kriegst du künftig Insulin.

Brüderchen, du springst nicht mehr,
humpelst mühsam hin und her.
Ist das Wetter endlich schön,
wird’s dir wieder besser gehn.

Manchmal fühl ich euren Schmerz,
dann zerreißt es mir das Herz.
Wenn ihr wieder fröhlich seid,
ist vergessen alles Leid.

Was nun wird? Wir werden sehn.
Noch ist es nicht Zeit zu gehn.
Sommer, Falter, Sonnenschein
mögen euch beschieden sein.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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