Ein Bild von dir

1
Okt
2008

Ein Bild von dir

Matrose

Sehnsuchtsvoll sitze ich alleine hier,
verträumt betrachte ich ein Bild von dir.
Dein Bild, das mich oft traurig macht und quält,
von meinem fernen Liebsten mir erzählt.

Neugierig sehe ich dir ins Gesicht,
denn wenn du hier bist, traue ich mich nicht,
bin stumm, verwirrt und schüchtern wie ein Kind,
bin eben so, wie die Verliebten sind.

Ein hübscher blonder Mann mit hoher Stirn,
dahinter steckt ein Philosophenhirn,
gepaart mit klarem, praktischem Verstand,
den Geist geschult im hellen Morgenland.

Nickelbebrillte Augen lachen frech
mich an. Nee, aus! Herrje, verdammtes Pech!
Lach nur, doch sage mir, wie’s weitergeht
in meiner Welt, die sich im Kreise dreht.

Die Nase wittert Seeluft und Gefahr,
Koriander und Wacholder wunderbar.
Geheimnisvoller fremder Länder Duft
erfüllt, wenn du am Kochtopf stehst, die Luft.

Die Wangen schmücken kleiner Grübchen Zier,
so schön, dass ich sogleich mein Herz verlier.
Wie fröhlich hast du mich doch angelacht
beim Tarantellatanz in jener Nacht.

Dein süßer Mund, er steht nur selten still,
er küsst mich tausendmal, wenn ich es will.
Wohl tausend Küsse geb ich dir zurück
und Liebe, jeden Tag ein großes Stück.

Dein liebes Lächeln, ach, es fehlt mir so,
werd ohne dich nicht mehr des Lebens froh.
Endlos die Stunden bis zur Wiederkehr.
Warum, mein Liebster, ist mein Herz so schwer?

Wie gerne säh ich dir jetzt ins Gesicht,
seh mir dein Bild nur an, mehr hab ich nicht.
Ich bin nur eine arme Seemannsbraut,
die auf dich wartet und auf Gott vertraut.

(Bild: Otto Dix, Matrose und Mädchen II)
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