Das Pflänzchen Hoffnung

18
Sep
2008

Das Pflänzchen Hoffnung

Pflanze

Einst gab mir der Herzliebste mein
zu früher Stund als Morgengabe
ein Samenkörnchen winzig klein,
's ist alles, was ich von ihm habe.

Drauf las ich still ein weises Buch,
wie solch ein Pflänzchen wird geboren.
Ich tränkte fein ein weißes Tuch,
das ich zum Bettchen auserkoren.

Im schönen Wonnemonat Mai
begann's zu keimen, sich zu regen,
mein Pflänzchen reckte sich, war frei
und konnt im Bettchen sich bewegen.

Ein Blumentopf, nur nicht zu klein,
gefüllt mit Vogelsand und Erde,
sollt meines Pflänzchens Heimstatt sein,
auf dass es groß und kräftig werde.

Ich hegte es ganz liebevoll,
begann's zu düngen und zu gießen,
dass es gedieh und wuchs wie toll.
Konnt seinen Anblick nun genießen.

Vom Stamm, gerade, voller Kraft,
vielfach die Triebe sich verzweigten,
gen Himmel wuchsen zauberhaft,
sich wonnig hin zur Sonne neigten.

Es trug ein dunkelgrünes Kleid
aus schmaler, fein gezackter Spitze.
Und bald begann die Blütezeit
in großer schwüler Sommerhitze.

Zahllose Dolden dicht an dicht
mit langen weißen Blütenfädchen.
Ihr duftend Harz mir Trost verspricht,
hab Dank, mein liebes Pflanzenmädchen.

Ach, mag auch der Herzliebste mein
in sieben fernen Himmeln schweben,
ein Samenkörnchen winzig klein
wies mir den Weg zu neuem Leben.

(Bild: Hanspeter Schweizer)
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