8
Mrz
2011

Die Physis der Frau

Der Mund der Frau ist da zum Küssen.
Der Mann glaubt das genau zu wissen
und kann sich's oftmals nicht verkneifen,
sich zu beschweren, wenn wir "keifen".

Mann sähe uns viel lieber friedlich,
Gott schuf uns doch so süß und niedlich,
mit Kussmündchen und hübschen Stirnen,
mit kleinen Händen und Gehirnen.

So denken Männer über Frauen.
Dem Urteil solltest du nicht trauen.
Mach dir Gedanken, stelle Fragen,
und bald kannst du die Wahrheit sagen:

Der Mund ist nicht nur da zum Keifen,
wir brauchen ihn auch noch zum Pfeifen
auf diese Welt, gemacht von Männern,
dem Untergang geweiht von Kennern.

Wir finden in der Männer Birne
monströs entwickelte Gehirne,
die einen Albtraum uns erschaffen
aus Genlabor, Vernichtungswaffen,

aus Folterkammern, Hungersnöten,
die stets befehlen: Du sollst töten!
Die Frau hingegen schenkt das Leben.
Die Zeit ist reif, sich zu erheben.

Die Zeit ist reif für eine Wende.
Setz diesem Größenwahn ein Ende!
Du, Frau, mit deinen kleinen Händen,
vermagst das Schicksal noch zu wenden.
2958 mal gelesen
Rachel (Gast) - 8. Mrz, 17:51

...ganz toll geschrieben!!

LG, Rachel

Halbe Frau - 8. Mrz, 17:56

Freut mich, dass es dir gefällt, liebe Rachel. In einem Gedichteforum musste ich deswegen gehörig Prügel von Männern einstecken.
Emil (Gast) - 8. Mrz, 22:13

Ich kann Rachel nur zustimmen, wirklich toll geschrieben. Inhaltlich klingt mir das aber stellenweise zu sehr nach Differentialfeminismus, welcher ja eigentlich seit de Beauvoir oder spätestens seit Butler erledigt ist (aus emanzipatorischer Perspektive). Grade weil es beim Weltfrauentag, der ja von der Kommunistin Zetkin initiiert wurde, um die Gleichheit der Geschlechter und nicht um die (positive) Differenz ging und immer noch gehen sollte. Ich kann diese Schwarz-Weiß- bzw. Gut-Böse Zeichnung zwar auch als Ironie lesen, aber dass biss sich ein wenig mit der ernsten Intention.

Ob Frau, ob Mann: Das sind doch nur Schablonen,
In die uns die Gesellschaft zwängt und hält.
Drum Mensch, bekämpfe diese Konstruktionen:
Die Zeit ist reif, es wird sich Queer gestellt!

Halbe Frau - 8. Mrz, 22:24

Ich gebe dir schon recht, die Aussage im Gedicht ist sehr pauschal. Vielleicht ist es wichtig zu wissen, dass mein Gedicht als Retourkutsche an einen Mann entstand, der uns Frauen den berühmten Penis-Neid unterstellte und meinte, wenn auch scherzhaft, wir würden immer nur keifen statt unsere Münder zum Küssen darzubieten.

Trotzdem denke ich, es sind die Männer, und zwar bestimmte Männer, nämlich die mächtigen, die die Welt und unsere Spezies an den Rand des Untergangs treiben. Klar, es gibt auch eine Angela Merkel, es gab eine Margaret Thatcher, die nach der Pfeife dieser Männer tanzten. Aber die sind in der Minderheit.

"Die Zeit ist reif, es wird sich Queer gestellt!" Wunderbar, das wäre vielleicht die Lösung: Eine ganz andere Gesellschaft, die uns mal was Neues bietet, nämlich Frieden, Vielfalt und Toleranz.
Dieter (Gast) - 26. Jun, 23:44

Kurzhinweis

Aufnahme des Gedichts in Padinas Hitliste am 26.6.11.

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