23
Sep
2008

Im Morgengrauen

Einsame_Frau_am_Fenster

Im blassen Morgenlicht, in den dunklen Raum
verwoben, die Silhouette einer einsamen Frau
am Fenster, den Kopf schlaftrunken im Traum
gefangen, dessen Gespenst, müde und grau,
bettschwer in sein finsteres Versteck schlurft.

Am frühen wolkenverhangenen Himmel kreist
ein schwarzer Vogel, Bote aus einem fernen
Land jenseits der Wolken. Der Weg verwaist,
der sie wegführt, hin zu den silbernen Sternen.
Ach, hätte es wirklich all des Schmerzes bedurft?

Nichts mehr zu fühlen, ohne Furcht, Verlangen
oder Begierde zu sein. Kein Wunsch oder Wille
hält die Frau noch in Raum und Zeit gefangen.
In Gedanken flieht sie weit weg in die ferne Stille,
befreit von dem Dasein, das sie einst bedrückt.

Sie öffnet das Fenster, atmet ein letztes Mal
die frische Morgenluft. Sie breitet die Arme aus.
Und während sie fortfliegt aus dem Jammertal,
weht ihr letzter Atem leise in den Tag hinaus.
Und schon ist ihre Seele Zeit und Raum entrückt.

(Bild: A. Woizechowski, Sehnsucht)
842 mal gelesen
Lymielle - 24. Sep, 08:08

das ist lyrik

das ist gedicht und das ist können. sehr schöne beschreibung und die jeweils ineinander übergehenden zeilen sind wirklich gelungen. da sind bilder, da ist stimmung, da ist mit-fühlen und -denken vom leser erzwungen.

mein kompliment.

liebe grüße.

Halbe Frau - 25. Sep, 01:18

danke

für dein kompliment. ich freue mich sehr, dass dir dieses schwermütige gedicht gefällt.

liebe grüße
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