21
Feb
2009

Mein Junge, halt die Füße still!

Hans-Albers

Frei nach Hans Albers:

"Mein Junge, halt die Füße still
und mach nicht so’n Gesicht.
Es geht nicht alles, wie man will
und wie man sich’s verspricht.

Die Welt ist rund, die Welt ist schön,
und alles muss sich mit ihr drehn,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!"

Als ich gesegelt viele Jahr
wohl übers weite Meer,
kam mir in Rios Hafenbar
mal einer in die Quer.

Ich sagte: "He, du armer Wicht,
ich hack dich klein, vergiss das nicht,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!"

Als ich einst in Odessa lag
im Hafen hagelblau,
macht einer sich am hellen Tag
gleich her über die Frau.

Ich hätt ihn fast schon massakriert,
da ist er ganz schnell abgeschwirrt,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!

Als einer mir ne Karte gab,
auf der ein Schatz sich fand,
fand er am Eiland bald sein Grab
und ich mein Heimatland.

So ist das Leben, bitte schön,
drum lass uns einen saufen gehn,
wie es das Schicksal will,
und halt die Füße still!

(Bild: Hans Albers)
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20
Feb
2009

Klein-Pietje

Kirchner

Klein-Pietje war ein armer Jung,
wuchs auf in Gassen voller Dung.
Den Vater hat er kaum gekannt,
die Mutter war stets abgebrannt.
Es herrschte Elend viel und Not,
das halbe Viertel war schon tot.

Da gab’s nur eines: Nichts wie fort!
Und schnell verließ er diesen Ort.
Als kleinen Schiffsjung zog es ihn
nach Norden bis nach Dublin hin.
Den letzten Penny opfert er
im Pub für Whiskey und Liqueur.

Da lacht ein Kind mit rotem Haar -
Seeräuber-Jenny ist’s, na klar -
dem lütten Pietje ins Gesicht,
sagt: "Deinen Penny will ich nicht,
denn du bist ganz allein mein Schatz!"
Und nimmt auf seinem Schoß gleich Platz.

In ihrer Kammer Stund um Stund,
da ging’s von nun an richtig rund.
Jenny hob grad ihr Röckchen hoch,
da sprach Klein-Pietje: "Guck, ein Loch!
Ich will es flicken dir im Nu!"
Und stopfte flink das Löchlein zu.

Sie liebten sich von Herzen sehr,
und Pietje ward das Herz so schwer,
auch Jenny weinte bitterlich,
als sie in tiefster Nacht fortschlich,
verkauft für ein klein Stückchen Brot:
Der Hunger war der Liebe Tod.

Der Pietje ward ein Trunkenbold,
fast hätt der Teufel ihn geholt,
fuhr über Ozeane hin,
hatte nur Seemannsgarn im Sinn.
Auf einem Eiland traf er dann
Jenny als Hula-Mädchen an.

Und in der Hütte Stund um Stund,
da ging’s von nun an richtig rund.

(Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Großes Liebespaar)
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18
Feb
2009

Berlinerick - Spandau

Spandau2

Es lebte ein Mieter in Spandau,
der war früh am Morgen schon ganz blau,
wollt "Herzilein" hörn,
die Nachbarn tat’s störn.
Jetzt schläft er erst mal bei der Barfrau.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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17
Feb
2009

Berlinerick - Wedding

Wedding

Es warn mal zwei Schüler im Wedding,
die machten statt Englisch gern Petting
auf dem Schülerklo,
and now they must go.
Der Sex war okay, nicht das Setting.

(Bild: Thomas Wenzl, Die Wiesenstraße bei Nacht)
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Berlinerick - Kaulsdorf

rohrpfuhl_kaulsdorf

Ein Briefträger draußen in Kaulsdorf,
der spuckte mal schleimigen Auswurf
dem Chef vor die Tür.
Als Quittung dafür
empfing er postwendend den Rauswurf.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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Berlinerick - Charlottenburg

Kudamm

Ne Dame betrachtet von ferne
am Kudamm versunken die Sterne.
Da kommt eins, zwei, drei
ein Touri vorbei.
"Wie wär's mit uns Zwein?" - "Aber gerne!"

(Bild: Der Kurfürstendamm)
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Berlinerick - Tiergarten

Tiergarten

Es war mal ein Mann in Tiergarten,
der wollt mittags nicht ewig warten,
bis Fisch auf dem Tisch,
drum aß er ganz frisch
Fuchs, Maulwurf und andere Arten.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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16
Feb
2009

Keinen lausigen Penny

Piratenbraut2

Nun hört die Geschichte der Seeräuber-Jenny,
ein Leben, nicht wert einen lausigen Penny:

Vorm Haus eines Pfaffen in schmutzigen Windlein
lag nachts tief im Winter ein schreiendes Kindlein,
ein Mägdlein, unschuldig, der Traum jedes Pfaffen,
so tat der sich gleich in die Jenny vergaffen.

Die nächsten zwölf Jahre gab’s wenig zu grinsen,
ich las aus der Asche dem Pfaffen die Linsen,
hab nachts ziemlich hart auf dem Strohsack geschuftet
und bin mit dem Geld armer Seelen verduftet.

Ging betteln hartherzigen Bürgern zum Hasse
bei Wind und bei Wetter auf finsterer Gasse,
lag in der Spelunke sternhagelbesoffen,
wo ich meinen Godeke Michels getroffen.

Der Godeke Michels, der soff wie zehn Ochsen,
auch war er der weltbeste Champion im Boxen,
und schlief wie ein Lämmchen doch friedlich und warm
in Seeräuber-Jennys süß duftendem Arm.

Das Glück auf der Welt, ach, es nicht von Dauer,
es lagen die Schergen bereits auf der Lauer.
Sein Kopf steckt zur Warnung vorm Stadttor am Spieß,
worüber ich viel tausend Tränen vergieß.

Im Arbeitshaus hab ich mich Jahre geschunden,
gehungert, gefroren unendliche Stunden.
Dann, wieder in Freiheit, wurd aus mir ne Braut,
die nachts ihre Freier klammheimlich beklaut.

Als einer mir frech kam, da zog ich mein Messer,
sein Fettwanst trieb morgens im trüben Gewässer,
die Häscher und Henker warn hinter mir her,
so floh ich als Schiffsjunge weit übers Meer.

Kenn Steuerbord, Backbord, versteh was vom Entern,
doch hat’s nichts geholfen, der Kahn musste kentern,
schwamm flink wie ein Fischlein aufs nächstbeste Land,
und das ist als Seeräuber-Eiland bekannt.

Bin trinkfestes Liebchen von wilden Piraten,
verleite sie zu den gar schändlichsten Taten.
Auf meinem Popo ist gewaltig viel Platz
und als Tätowierung ne Karte zum Schatz.

Doch brauchst nicht zu suchen, meint Seeräuber-Jenny,
und hell klimpert in ihrer Tasche ein Penny.

(Bild: Kurt Hilscher, Piratenbraut)
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14
Feb
2009

Gestrandet

Tahiti

Aloha, es grüßt euch die Seeräuber-Jenny!
Dem Henker entronnen, im Beutel kein Penny,
so schlich mit den Ratten ich nachts zu nem Kahn
und heuerte morgens als Schiffsjunge an.

Auf Totenmanns Kiste die Meere bereist,
bei Sturmbö und Regen den Erdball umkreist,
ein Riff stand im Wege, der Kahn stellt sich quer,
ich schwamm um mein Leben, ein Hai hinterher.

So bin ich hier auf dieser Insel gestrandet
und merkte, ich bin bei den Dichtern gelandet:
Am Ufer empfing mich ein Graupapagei,
der schwatzte von Heine und der Loreley.

Hier bin ich, hier bleib ich, erzähl euch Geschichten,
will euch von dem Godeke Michels berichten,
von Likedeelern, Freibeutern, wilden Gesellen,
die Schiffe mit pechschwarzen Flaggen befehlen.

Paar kräftige Burschen will ich mir noch suchen
zum Bau meiner Hütte, dann werd ich nicht fluchen.
Ich will auch zum Lohne mein Lager gern teilen,
kein Pfaffe, kein Trauzeuge soll dran verweilen.

Ich reiche in Freundschaft die Hand euch zum Gruße
und schenk euren Schönen Rock, Nerze und Bluse.
Wollt ihr mir dafür einen Lorbeerkranz winden,
den werd ich ganz keusch um die Hüfte mir binden.

(Bild: Paul Gauguin, Tahitische Frau mit Frucht)
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11
Feb
2009

Der letzte Penny

Toulouse-Lautrec

Ich bin die kesse Jenny,
mich kennt ein jedes Kind,
geb meinen letzten Penny
für Whiskey und Absinth.

Doch brauch ich nicht zu hungern,
ich weiß ja: Mann ist Mann,
will an der Ecke lungern,
dann beißt schon einer an.

Kaum hab ich ihn gefunden,
den fetten goldnen Fisch,
schenk ich ihm ein paar Stunden
und setz mich dann zu Tisch.

Sie kennen kein Erbarmen
und keinen Appetit,
die schrecklichen Gendarmen:
Der Goldfisch, der muss mit.

Der schönen Seemannsbräute
findt man im Hafen viel,
doch ich errang die Beute
alleine in dem Spiel.

Bekleidet fein mit Nerzen,
demantbesetzt die Schuh,
so fliegen mir die Herzen
der edlen Herren zu.

Ich bin die kesse Jenny,
nimm dich vor mir in acht.
Ich raub den letzten Penny,
verrate dich bei Nacht.

(Bild: Henri de Toulouse-Lautrec, Frau mit schwarzer Feder-Boa)
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17
Jan
2009

Des Kämpfens müde

Marc_Katze

Ach, ich bin des Kämpfens müde,
sah nur Elend auf der Welt.
Doch wie sehr ich mich auch mühte,
unser Feld ist schlecht bestellt.

Immer weiter geht das Schlachten,
bis zum Himmel spritzt das Blut.
Gut, was Weise einst erdachten,
doch der Mensch, er ist nicht gut.

Finde Stetigkeit und Ruhe
endlich in der Wohnung hier.
Stelle meine Straßenschuhe
in das kätzische Revier.

Streichle, spiele, reiche Futter,
denke nach und sammle Kraft.
Mutig geht die Katzenmutter
dann erneut auf Wanderschaft.

(Bild: Franz Marc, Akt mit Katze)
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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