29
Jan
2011

Den Unentschlossenen

Bestreiten lässt sich wirklich viel,
fast alles widerlegen.
Wir irrn durchs Leben ohne Ziel,
wolln keinen Finger regen.

Zwar heißt es, unser Land sei frei,
doch gibt's viel arme Leute,
und tust du jemals einen Schrei,
bist du der Staatsmacht Beute.

Wir geben unsre Stimme ab
für Kernkraft, Cash und Kriege,
und falln wir müde in das Grab,
juckt's höchstens eine Fliege.

Ein Feigling, wer nur immer fragt
und die Kapitalisten
nicht endlich mal zum Teufel jagt
innerhalb kurzer Fristen.

***

Verachten will ich die unnützen
Michel mit ihren Zipfelmützen,
die sommers an der Strandbar schwitzen
und winters auf dem Sofa sitzen.

Tunesier, sagt man, wären friedlich,
doch wurden sie sehr ungemütlich,
als Ben Ali sie drangsalierte.
Wenn's nur der Michel mal kapierte:

Ob da, ob dort, ob hierzulande,
allüberall stopft eine Bande
den Sack sich voll, das Maul uns zu.
Mein Michel, mach dich auf die Schuh!
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26
Dez
2010

Keine Milliarde

Keine Milliarde kann erkaufen
mein heißes Herz, mein ruhiges Blut.
Du kannst rund um den Erdball laufen,
in keinem Laden gibt's das Gut.

Du, reicher Mann, wirst mich beneiden,
du hast ja nur ein Herz aus Stein.
Das kannst du in Armani kleiden
so wie dein restliches Gebein.

Bleib nur auf deinem Geldsack hocken,
du hast noch ein klein wenig Zeit.
Doch bald mach ich mich auf die Socken,
geb dir zum letzten Mal Geleit.
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24
Dez
2010

Capricornus!


"Happy birthday dear Amazone

Ach du liebe Zeit, ich hinke
hinterher, schon wieder mal,
und so bleibt nur winke-winke,
mit dem dicken Winterschal.

Liebe A. in B. ich zähle
auf dein mildes Urteil sehr,
dir, der treuen Reimfechtseele,
fällt das sicherlich nicht schwer.

'Schütze' also, na, wie sinnig,
passt vortrefflich, so als Bild,
und so wünsche ich mir innig:
bleibe weiterhin so wild.

Alles Liebe, alles Gute,
frohes Fest und guten Rutsch,
Glück auf jeder Lebensroute,
und schon bin ich wieder futsch..."


Thanks, dear Crux!

Deine Wünsche kamen später,
doch ich fand sie trotzdem schön!
Wirst die Rache aller Götter
leichten Herzens überstehn.

A. in B. wird gern vergeben
C. den schrecklichen Fauxpas.
Irgendwann in ihrem Leben
wächst bestimmt darüber Gras.

Aber Eines, lieber Reimer,
hab ich überhaupt nicht gern.
Wär mein Leben doch im Eimer
unter einem falschen Stern.

Bin kein Jäger mit nem Köcher,
wie es Sagittarius war,
sondern der Gerechten Rächer:
Capricornus wunderbar!

Steile Bergeshöhn erkletter
ich bis rauf zum Himmelszelt,
trotze dabei jedem Wetter,
das mir mein Patron bestellt.

Hörner trag ich auf der Stirne,
die Saturn mir aufgesetzt.
Renn mit meiner harten Birne
durch die Wand zu guter Letzt.
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5
Dez
2010

Jägerlatein

Die Nahrung war zur Urzeit knapp,
die Männer machten Zappzerapp
mit allem, was da kreucht und fleucht,
das Eiweiß hat ihr Hirn verseucht.

Drum gehen sie noch heute jagen,
die Beute wird nach Haus getragen,
wird abgenagt bis aufs Gebein,
das schmeißt man in die Asche rein.

Der edle Pilz im grünen Moose,
die rote Frucht der Heckenrose,
Die süßen Beeren drauß im Wald
verfaulen und erfrieren bald.

Das zarte Sauerampferblatt
macht heut nur noch die Raupen satt,
kein Kräuterweiblein pflückt den Dost,
stattdessen frisst man Currywurst.

Sie trampeln durch die ganze Welt,
die grünen Jäger auf dem Feld.
Dort, wo sie waren, wächst kein Gras
und hoppelt auch kein Osterhas.
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13
Nov
2010

Dinner for two

Ich stell dir gern das Essen hin,
doch warn ich dich: Ich bin Hartz vier.
Vielleicht ist’s ja ein Lustgewinn
für dich, zu fressen wie ein Tier.

Pro Tag gönnt mir dafür das Amt
elfkommasechsundneunzig Euro.
Die hau ich für uns allesamt
jetzt auf den Kopf, pfeif auf den Teuro.

Pasta von Aldi gibt es heut
mit etwas analogem Kas.
Ich weiß, mein Schatz, wie dich das freut,
so beißt du erst mal nicht ins Gras.

Zum Nachtisch rühr ich Pudding an
mit H-Milch, so etwas von lecker!
Aus Plastikflaschen gibt es dann
zwei Bier und Waffelbruch vom Bäcker.

Und bist du satt, dann ruh dich aus
auf meiner weichen Schaumstoffmatte
und fühl dich grad so wie zu Haus
bei mir und meiner grauen Ratte.
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12
Nov
2010

Wahrheiten

Sie wissen nicht, wie’s weitergeht,
die kapitalen Luschen,
verordnen schnell noch per Dekret
den "Assis", kalt zu duschen.

Sie schaufeln sich die Taschen voll,
die Armen müssen fasten.
Der Arbeitnehmer trägt, wie toll,
die finanziellen Lasten.

Glasperlen, bunt, sind unser Lohn,
der Schrott wird zum Bedürfnis.
Dem Sündenbock gilt unser Hohn,
darauf folgt das Zerwürfnis.

Wir sitzen auf dem Pulverfass,
es ächzt und stöhnt die Erde.
Sie wird regiert von Gier und Hass,
auf dass es dunkel werde.

Den Super-Gau, den will ich nicht,
will noch ein bisschen leben.
Schon deshalb ist es meine Pflicht,
mich endlich zu erheben.
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25
Okt
2010

Humboldthain im Herbst

Humboldthain2

Die Bäume tragen Festtagsstaat,
der Wind zerzaust die goldnen Kronen.
Ich möchte in den Wipfeln wohnen,
wo's Eichhorn seine Bleibe hat.

Am Bunker balanciert ein Mann
auf einem Seil über den Himmel,
am Aussichtsturm herrscht viel Gewimmel
und alle feuern ihn laut an.

Auf einer Lichtung lässt ein Kind
den selbstgebauten Drachen steigen,
der kann uns Pirouetten zeigen
bei seinem wilden Tanz im Wind.

Der Rosengarten ist schon zu,
es leuchtet purpurn durch die Gitter.
In diesen Tagen naht kein Ritter,
Dornröschen hat nun seine Ruh.

Ich schlurfe durch das bunte Laub,
es raschelt unter meinen Füßen.
Ich will noch rasch die Toten grüßen,
die Urnen, angefüllt mit Staub.

(Bild: Thomas Wenzl, Humboldthain, "Diana mit Windhunden" von Walter Schott)
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16
Okt
2010

Achtundachtzich - Ochenta y ocho

Achtundachtzich

Sarrazin hat’s angefangen,
er ist stramm nach rechts gegangen
und das Volk, es folgte ihm.
Schluss mit Eia und Popeia!
Nach der großen Jubelfeier
wurde es erneut intim.

Unsre Leitkultur soll leben!
Nach dem deutschen Wesen streben
sei des Knoblauchfressers Pflicht.
Drum soll er in Käsemauken
stur SS-Schreibregeln pauken,
sonst ist unsre Grenze dicht.

Statt sich in Moscheen zu tummeln,
an den Kopftuchfraun zu fummeln,
zu kassieren Lohnersatz
soll für lau er feste schuften
oder lieber gleich verduften -
auch von unserm Fußballplatz!

Kauft nicht im Gemüseladen!
Türkisch Grünzeug bringt nur Schaden,
Schweinefleisch gibt Lebenskraft.
Haut zu Klump den Muselmanen!
Unser Deutschland dem Germanen,
der das Weltreich neu erschafft.

Bundeskanzlerin A. Merkel
hielt ich früher für ein Ferkel,
heute zieh ich meinen Hut.
Schönen Dank und Achtundachtzich!
Unser Vaterland, das macht sich,
bald wird alles wieder gut!

Ochenta y ocho

Sarrazin ha empezado
a marchar tenso hacia la derecha
y el pueblo le sigue...
¡Ya basta con los arullos!
Después de la gran fiesta de reuniones
el pueblo alemán volverá íntimo.

¡Viva la nuestra civilización dominante!
Aspirar a la Alemanidad
será como la obligación de tragar ajo.
Por eso deben empollarse en zapatillas pequeñas
las normas de ortografía de las «SS» tozudamente,
si no, nuestra frontera será cerrada.

En lugar de bullir en las mezquitas,
manosear a las mujeres veladas,
cobrar las prestaciones compensatorias
debe doblarse el lomo
o mejor esfumarse ahora mismo –
del nuestro campo de fútbol tambien.

¡Alemanes! ¡No compréis del verdulero!
La verdura turca solo aumenta la salud,
la carne de cerdo da vitalidad.
¡Pican el musulmán!
Desde muestra Alemania, al Germano
se le recrea el imperio universal.

La Canciller federal Ángela Merkel,
antes me parecía un conchinillo;
ahora, me descubro ante ella.
¡Muchas gracias! Y 'ochenta y ocho'!...
Nuestra patria toma un rumbo favorable,
dentro de poco todo llegará a ser bueno.
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Halbe Frau

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