24
Aug
2012

II. Hinaus

Und bin doch frei so wie ein Spatz im Wind. -
Früh wollte ich dem engen Nest entfliehen,
mit wilden Schwänen durch die Lüfte ziehen
in Länder, die erst zu entdecken sind.

So träumte ich bereits als kleines Kind.
Der Wunschtraum war schon bald zur Tat gediehen,
ein Bilderbuch rasch aus dem Schrank entliehen
und fort ging’s über Stock und Stein geschwind.

Die Mama weinte sich die Augen aus,
der Papa fragte sich besorgt: "Was tun?"
Drauf liefen beide los, um mich zu finden.

Sie brachten mich am Abend heil nach Haus.
Seitdem sitz ich herum in Reiseschuhn,
bleib nur ganz kurz, um wieder zu verschwinden.
999 mal gelesen

I. Glückskind - Afortunada

Glückskind

Im tiefen Winter wurde ich geboren.
Wie meinem Sternenbild, dem Capricorn,
wuchs auf der Stirn mir links und rechts ein Horn
und hätte ich kein Fell, wär ich erfroren.

Und hätt ich meine Eltern früh verloren
und hätt nicht mehr zu essen als ein Korn
und spürte jeden Tag nur Hass und Zorn,
wie kalte Kugeln, die das Herz durchbohren,

dann hätt ich keine Ruhe, keinen Frieden,
könnt nicht mal meinen Namen buchstabieren
und wäre auch kein sattes Wohlstandskind.

So ist mir alles Glück der Welt beschieden,
ich habe jede Menge zu verlieren
und bin doch frei so wie ein Spatz im Wind.

Afortunada

Nacida en la temporada invernal,
cual la constelación de capricornio,
sobre la frente me crecían dos cuernos,
y si no tuviera un pellejo, habría muerto de frío.

Y si hubiera perdido a mis padres en tierna edad,
y no tuviera más que un grano que comer,
y recibiera cada día solamente odio y rabia,
como balazos fríos, los cuales atraversan el corazón,

entonces no viviría en paz,
ni siquiera sabría deletrear mi nombre,
y tampoco sería una hija del bienestar.

Así, la fortuna del mundo me sonríe,
tengo mucho que perder,
aunque soy libre como un gorrión en el viento.
905 mal gelesen

29
Jul
2012

Guter Rat für eine Hamburg-Reisende

Dein Koffer ist noch nicht gepackt
für Hamburg? Hummel hummel!
Mein guter Rat, willst du nicht nackt
auf deinen kleinen Bummel:

Fürs Tor der Welt ist sprichwörtlich
das Schiet Hamburger Wetter
und regnet's da ganz fürchterlich,
ist nur ein Schirm dein Retter.

Die Gummistiefel pack mit ein,
zwei Pullis, ein paar Jacken,
dann wirst du gut gerüstet sein
für alle Sturmattacken.

Vergiss den Feuerlöscher nicht,
so siehst du schwer beladen
der Roten Flora ins Gesicht
beim Schein der Barrikaden.

Die Urlaubskasse, welch ein Schock,
wird bald vor Leere gähnen.
Kannst dich ja dann im Minirock
an eine Ecke lehnen.

Nimm noch nen leeren Koffer mit
und fang dir ein paar Kerle.
Au weia, ich krieg Appetit
auf Hamburg, meine Perle!
691 mal gelesen

23
Jul
2012

Ein sehr kurzer Sommer

Die Liebe schien uns wie die Sonnenstrahlen,
so hell und warm, voll Heiterkeit und Leben,
vermochte uns die Leichtigkeit zu geben,
uns kühne, bunte Träume auszumalen.

Doch brannte sie so heiß, dass wir verglühten.
Da zogen schwarze Wolken sich zusammen,
ein Blitz schlug ein und alles stand in Flammen,
zerfiel zu Asche, wie wir uns auch mühten.

Der Sommer starb, kaum dass er angefangen,
an einem grauen Tag ist er gegangen,
dahin der goldne Glanz der Sonnenstrahlen.

Das Jahr vergeht, die Träume, sie verblassen.
Im Mantel geh ich durch die kalten Gassen
und leide nicht mehr länger Höllenqualen.
1236 mal gelesen

22
Jul
2012

Alles Bio oder was

Schlägt mir der Biokoch ein Schnippchen
und reicht mir dreist ein Schweinerippchen!
Schrie ich denn nicht fortissimo
ihn an jüngst im Bistro Bardot:

"Bereite nur noch grüne Kost er,
sonst ab mit ihm in’ Paternoster!"
Und was macht er, der Küchenmeister?
Serviert mir Tier hier, Scheibenkleister!

Sieh an, jetzt will er sich verstecken,
fürchtet den Stock und die Stockflecken
auf seiner neuen Küchenschürze!
Nix da! Fix koch er Kohl mit Würze!
1426 mal gelesen

8
Jul
2012

Ins Mühlviertel!

Sommer ist ins Land gezogen,
bald schon komme ich geflogen
wie ein kleins Waldvögelein.
Frische Luft und helle Sonne,
Burgen, Seen, welche Wonne!
Werde froh und glücklich sein.

Nach dem hektischen Getue
hier im Moloch find ich Ruhe,
Blümelein am Wegesrain.
Meine Schwestern, meine Brüder,
meine Freunde find ich wieder
in dem schönen Dichterhain.
1298 mal gelesen

29
Jun
2012

Warnung an einen User

Lieber User, eine Warnung:
www ist Täuschung, Tarnung.
Hier wirst du in Blitzesschnelle
Opferlamm für Kriminelle.

Hacker machen dir den Garaus,
knipsen dem PC das Licht aus,
deine streng geheimen Daten
nutzen sie für Missetaten.

Zwar gibt's keine Langeweile
in den Foren, aber Keile.
Wehe dem, der sich verteidigt,
wenn man gröblichst ihn beleidigt.

Glaube nie, den Typ zu kennen,
der sich rühmt, dich Freund zu nennen.
So ein Troll versteht zu lügen,
zu umschmeicheln, zu betrügen.

Von den sogenannten Freunden
wurden manche schon zu Feinden.
Halsabschneider, Eitle, Kranke,
ihr Verrat kennt keine Schranke.

Darum User, lass dir raten:
Achte gut auf deine Daten,
wag es, für dein Recht zu streiten,
setze dich zur Wehr beizeiten.
1036 mal gelesen

30
Mai
2012

Wertarbeit

Kill Muammar und Assad,
mach Jintao und Putin platt,
jag Morales und Chávez,
friss mit Hollande Bouillabaisse.

Dann bist du mit deinem Geld
Nummer Eins auf dieser Welt
und am Himmel weit und breit
funkelt deutsche Wertarbeit.

Hast vergessen, dass zuvor
Deutschland zweimal schon verlor.
Spiel nur weiter Blinde Kuh,
mene muh, und raus bist du!
1130 mal gelesen

21
Apr
2012

Single

Bin Single schon seit Tag und Jahr,
erfreu mich keiner Kinderschar,
hab keinen Handwerksmann im Haus,
muss selbst zum Müllcontainer raus.

Kein Patriarch, der mir befiehlt,
kein Strolch, der mit dem Feuer spielt,
kein Sündenbock für meinen Mist,
der sich im Zweifelsfall verpisst.

Kein Typ, der meine Kreise stört,
sich über meine Spleens empört,
ich sitz entspannt auf meinem Klo
und lese Bücher mit Niveau.

Kann mir was kochen oder nicht,
verfass ein schweinisches Gedicht
und diskutiere nachts mit Chris,
berauscht von Kunst und Cannabis.

Nach einer langen Samstagnacht,
wenn Ali nur am Kiosk wacht,
schleiche ich müde, bleich und fett
nach Hause in mein weiches Bett.

Ins Bett geh ich nicht gern allein,
doch werd ich niemals einsam sein
dank Katerchen und Brüderchen,
die schnurrend mit mir schlafen gehn.

Wenn mich die Sehnsucht übermannt,
zieh ich mir einen Mann an Land
für eine Nacht und selten mehr,
sonst würde bloß das Herz mir schwer.

Ich gehe meinen Weg allein,
ich kann und muss ich selber sein.
Das war gewiss nicht immer leicht,
doch habe ich mein Ziel erreicht.

Ein richtiges Piratenkind
durchfährt die Meere hart am Wind,
freut sich des Lebens und ist frei
und bleibt dabei sich selber treu.
1614 mal gelesen
logo

Verlorenes Paradies

Halbe Frau

Inhalt

Verlorenes Paradies