1
Mrz
2013

East Side Gallery

Es war mal eine Mauer,
die machte alle sauer,
drum wurde sie beschmiert
und montags demonstriert.

Die Mauerspechte pickten
drauf rum wie die Verrückten
und nur ein kleines Stück
blieb noch davon zurück.

Das wollte man erhalten
und ließ es schön gestalten
als Ort für Fantasie
und gegen Amnesie.

Da kam ein feiner Pinkel,
sein Name war Maik Hinkel,
der schnappte an der Spree
sich dieses Stück Filet.

Die Abrissbagger rollten,
doch die Blockierer grollten.
So hatten, eins, zwei, drei,
die Bauarbeiter frei.

Zwar sind nun alle heiter,
jedoch, wie geht es weiter?
Geht Kunst und Denkmalschutz
vor Gier und Eigennutz?

Na, wollen wir mal gucken,
ihm in die Suppe spucken.
Noch lange lebe sie,
die East Side Gallery!
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9
Feb
2013

Heathrose Red'n Blue

(One billion rising)

Once a boy a Rosebud spied,
All array'd in youthful pride,
Kicked her til she almost died
By the early morning light.

But the Heathrose blue and red
Would arise from her death bed,
Raised her head and danced ahead
Til damn sexism was dead.
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8
Jan
2013

Fazit

Als er die Rosi hat geschändet
mit etwas List und viel Gewalt,
hat sich das Blatt für sie gewendet,
sie wurde innerlich ganz kalt.

Hält zu den Männern lieber Abstand,
selbst wenn sie halb sind, so wie sie,
wird stumm und starr und pocht auf Anstand,
so zwingt sie keiner in die Knie.

Und kommt ein Ritter mal geritten,
dann hat er es bestimmt sehr schwer.
Er kann sie ruhig auf Knien bitten,
sie wirft ihr Herz nicht hinterher.

Ach, Ritter gibt’s eh nur im Märchen
und Dulcinea wunderschön
ward nie mit Don Quijot' ein Pärchen,
sie hat ihn nämlich nie gesehn.
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31
Dez
2012

Die Wende

Ein Herr in seinen besten Jahren,
mit grauen Schläfen, welterfahren,
ging ins Café der Philosophen,
um in das Neue Jahr zu schwofen.

Ein kleiner Tisch in einer Ecke
schien ihm geeignet zu dem Zwecke,
sich erst mal ruhig hinzusetzen,
sich an dem Treiben zu ergötzen.

Am Nachbartisch saß eine Runde,
wohl schon seit ziemlich früher Stunde,
er hörte sie Krimskoye ordern
und sich zu Wortduellen fordern.

An ihrer Seite eine Dame,
er hörte, Eva sei ihr Name,
sah ihre Augen, diese dunkeln,
wie schwarze Diamanten funkeln.

Bald bat er höflich sie zum Tanze
zu einer russischen Romanze.
Längst war der letzte Ton verklungen,
da tanzten sie noch eng umschlungen.

Nachts durch die Straßen, wie im Märchen,
schwebte auf Wolken unser Pärchen
fand unterwegs manch dunkle Orte,
erreichte endlich eine Pforte.

Sie traten ins Berliner Zimmer,
leerten ein Glas bei Kerzenschimmer,
bis sie sich in die Arme sanken,
um zu dem Kanapee zu wanken.

Er spürte ihre vollen Brüste
auf seiner Haut, als er sie küsste,
den schlanken Leib, die weichen Haare.
Weich auch ihr Mund, der wunderbare.

Sanft strich er über ihre Beine,
sie hatte Beine wie sonst Keine,
und seinen Händen wuchsen Flügel,
flogen hinauf zum Venushügel.

Da fühlte er unter den Fingern
ein Paar von diesen runden Dingern,
hielt in der Hand plötzlich was Hartes,
doch, wie er fand, was sehr Apartes!

So nahm das alte Jahr am Ende
eine ganz unverhoffte Wende.
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20
Dez
2012

Hamburg, meine Perle, mein Hafen

Was habe ich alles erlebt mit euch
in all den heißen, vergnügten,
berauschenden, seligen Nächten
in St. Pauli, St. Georg und Altona!

Verdammt lang her, lieber Ralf,
als wir uns beim Trampen trafen
und an der Raststätte in Siegburg
zusammen ein Pfeifchen rauchten.

Ralf, wo immer du auch wohntest,
deine Tür stand immer für mich offen.
Einmal ließ ich mein Herz liegen,
ihr schicktet es mir mit der Post.

You can get anything you want…
Ihr habt mich freundlich aufgenommen,
Ralf, Max, Willi, Mirtek, Knautsch.
Nicht zu vergessen der arme Tim.

Wir redeten uns die Köpfe heiß
über Allah, über die Weltrevolution,
über Voschersau, Dinges-Gierig
und Uli Faschlo. Vor allem du, W.P.!

Und mit dir, Max, im Lenz, trank ich
einen Feigling nach dem anderen,
drückte in der Musicbox La Paloma
und die illustren Gäste schunkelten.

Hamburg, meine Perle, mein Hafen.
Bei dir ging ich immer gerne an Land.
Denn auch, wenn ich Kummer hatte,
wart ihr, meine Freunde, für mich da.
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19
Dez
2012

Klassenunterschied

Als ich ihn sah, da war mir klar,
dass er ganz faszinierend war.
Er war so stolz, ich schmolz dahin,
doch hat dies alles keinen Sinn.
Trotz wilder Lust ist mir bewusst,
am Schluss, da bliebe uns nur Frust.

Wir würden ja beim Wiedersehn
auf zwei verschiednen Seiten stehn,
denn er läuft beim Gesellschaftsspiel
gewiss als Sieger durch das Ziel,
trägt seidne Hemden weiß wie Schnee,
derweilen ich in Lumpen geh.

Erschiene ihm bald halb und plump,
an seinem Bein als schwerer Klump.
Will lieber fein bescheiden sein,
lass mich mit meinesgleichen ein,
mach mir nicht länger einen Kopf
um meinen Kropf, ich armer Tropf.
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3
Nov
2012

Machtlos gegen die Staatsmacht

Heute bin ich Dritte Wahl,
Dritte Wahl ist hart wie Stahl,
deshalb ist es keine Qual,
wenn ich sechzehn Euro zahl.

Hab zum Tanzen freie Bahn,
Einer schwenkt die schwarze Fahn,
sehe schon in meinem Wahn
ihn bald untergehn, den Kahn.

Hey, jetzt spielen sie Free Hasch!
Hab noch bisschen in der Tasch,
roll ne Tüte, gar nicht lasch,
schon hat mich der Cop am Arsch.

"Mach den Scheißdreck aus, sofort!"
Ungehört verhallt mein Wort
des Protests an diesem Ort,
rauch still weiter am Abort.

Eilt der Cop herbei im Trab,
nimmt mir meine Tüte ab.
Die fünf Finger bleiben schlapp,
und ich denk mir bloß: ACAB!
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10
Okt
2012

Hunger

Ich stell das Küchenradio an,
da sitzen in der Tür zwei Mann.
Zwei Augenpaare, gelb und grün.
Gespitzte Ohren. Jägersinn.

Der Erste ist ein Herr im Frack.
Ein weißer Bart ziert seine Back.
Fünf Messer hält er in der Hand.
Die Zahl der Toten? Unbekannt.

Der Zweite hat verwegnen Charme,
gilt überall als Mädchenschwarm.
In weichen schwarzen Samt gehüllt
ist er des Satans Ebenbild.

Vor heißem Hunger kocht das Blut.
Jetzt täte uns ein Nachtmahl gut,
drum will ich diesen Herren nun
das Fleisch auf ihren Teller tun.

Die Auberginen, die sind mein,
auch schenke ich mir Rotwein ein.
Es schmausen friedlich Mensch und Tier
in ihrem heimischen Revier.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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