19
Nov
2017

Día de Muertos in Oaxaca

Die Dorfjugend zieht zur Blasmusik
an Halloween um den Tule-Baum herum.
Jungen mit gruseligen Totenmasken,
Gespenstermädchen in Tüllröcken.

Mit dem Mototaxi zum Friedhof.
Das rattert und rumpelt.
Skelette aus Zuckerzeug
klappern im Takt dazu.

Marktstände mit tropischen Früchten,
süßen Totenbroten, gerösteten Chapulines.
Auf den Gräbern Blumen in allen Farben,
grelles Gelb, surreales Blau, unschuldiges Weiß.

Überall Kinderlachen, Geschrei und Gebell.
Die Mariachikapelle jault, alle trinken, rauchen
zu Ehren der toten Verwandten.
Die Untoten schwingen verwegen die Hüften.

Die Straßen voll aufgetakelter Skelette,
voll makabrer Graffiti an den Wänden,
Hausaltäre, geschmückt für die lieben Toten,
ein Kieztheater tanzt das Phantom der Oper.

Ja, mit den Toten lässt es sich leben
in Oaxaca, dem Land der alten Kulturen,
wo das Diesseits mit dem Jenseits vereint
die Fiesta feiert am Tag der Toten.
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21
Okt
2017

Urlaubszeit

Wenn mein Frauchen Koffer packt,
bin ich stinkesauer.
Tagelang wird eingesackt,
wohl für lange Dauer.

Stellt mir noch mein Futter hin,
ist bereits in Eile.
Hat das Fernweh nur im Sinn,
ich die Langeweile.

So, nun hat sie sich verpisst,
und ich leg mich schlafen.
Hoffe, dass sie mich vermisst
bei den Hochlandschafen.

Abends schneit ein Onkel rein,
öffnet eine Dose.
Will zu ihm mal gnädig sein,
trägt er auch ne Hose.

Nach ner halben Ewigkeit
hör ich ihre Schritte.
Sitz schon zum Empfang bereit,
so ist’s bei uns Sitte.

Schnell vergessen ist die Pein,
lange, wie ich hoffe.
Frauchen freut sich auf ihr Heim,
ich mich auf den Koffer.
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26
Jul
2017

Friedhofspicknick

Der Juli ist ins Land gekommen,
und wir, wir ziehn zum Friedrichshain,
zwar gut gelaunt, doch auch beklommen,
denn Thomas wird heut bei uns sein.

Am Friedhof lässt es sich gut feiern
mit Bowle, Sekt und etwas Weed,
mit Auberginen, Käse, Eiern.
Die Amsel singt dazu ein Lied.

Hier ruht er unter alten Bäumen,
den Helden nah vom Friedrichshain.
Hier kann er alle Tage träumen,
und manchmal schneit ein Freund herein.

Die gelbe Rose blüht noch immer.
Das Grablicht strahlt nun wieder hell.
Oranger Tüll mit goldnem Schimmer.
Wir pflanzen noch was Grünes schnell.

Da gießt es plötzlich wie aus Eimern,
ein Blitz schlägt ein, der Donner kracht.
Ach, wenn wir endlich schon daheim wärn!
Hat da nicht Thomas grad gelacht?
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18
Jul
2017

Klimt am Attersee

Als die Seejungfrauen riefen,
kam das Künstlervolk in Scharen.
"Leinen los! Wohlan, wir fahren
übern Attersee, den tiefen!"

Klimt fand Schätze in den Fluten,
Gold und Silber und Türkise,
auf dem Festland eine Wiese,
wo sie freudetrunken ruhten.

Er stand auf in aller Frühe
aus dem weichen, weißen Bette,
das von ihrer Liebe glühte.

Nahm sich Pinsel und Palette,
dass ein Meisterwerk erblühe,
funkelnd wie die Seenkette.
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12
Jul
2017

My Love is Like a Heathrose Tree

My love is like a heathrose tree,
adornment of my yard.
His scent will touch internally
all fibres of my heart.

I’ll never harm my bonnie rose,
at last I’m not a male.
How bad things go, precisely shows
the heathrose in the tale.

The rascal had become a thief.
The misdeed he had done
just gave him very short relief.
The rose bud, though, she's gone.

My heathrose tree, so white and green,
ablazing with the sun,
will all the summers bloom for me
until my days are done.
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11
Jun
2017

Frühstück bei Tiffany

Yunioshi mit Miss Golightly
wohl für allezeit im Streit liegt,
denn sie ist ne freie Frau.
Das ist ihm ein Dorn im Aug.

Schön ist’s am Balkon im Frühling.
Wunderbar ist dieses Feeling,
Samstagnacht mit einem Freund
durchzuziehen einen Joint.

Traurig die Bouzoukis klangen,
als wir ein paar Lieder sangen.
Plötzlich klingelte es Sturm,
Herr Yunioshi war’s, der Wurm.

Brüllt, was ich mir würd erlauben,
würde ihm die Nachtruh rauben.
Ist’s zu laut ihm in Berlin,
soll er halt ins Umland ziehn.

Sonntagsclub und Café Lyrik
waren kulturell sehr rührig.
Nun ist Zapfenstreich um Zehn,
weil die Spießer sonst durchdrehn.

Ach Herrje, so ist es eben,
man kann nicht in Frieden leben
auf der großen weiten Welt,
wenn’s dem Nachbarn nicht gefällt.

Bin zum Prenzlberg gekommen,
habe Freiheit mir genommen.
Doch trifft meine Frohnatur
heut auf Grabesstille nur.
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19
Mai
2017

Gesucht und nicht gefunden

Einst suchte ich nach einem Mann,
nach einem Mann, der alles kann,
der mir den Müll hinunterträgt,
mir fürs Regal die Bretter sägt,
mit roten Rosen mich beglückt
und zuhört, wenn mich was bedrückt.

Da war ich wohl nicht bei Verstand,
denn alle Typen, die ich fand,
die kauten mir die Ohren ab,
und nahmen alles, was ich hab.
Sie tranken alle Flaschen leer,
verschwanden ohne Wiederkehr.

Inzwischen bin ich alt und grau,
bin eine stolze Single-Frau,
wasch keine Käsesocken rein,
kann ganz und gar ich selber sein.
Zwar gibt’s noch paar, die sind old school,
doch die sind leider alle schwul.
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13
Mai
2017

Nicht gescheiter

Soll ich schreiben? Lass ich’s bleiben,
lass mich durch die Kneipen treiben?
Abends feiern, morgens reihern,
lebe schließlich unter Geiern.

Mich betrinken, andre linken,
metertief im Schnee versinken,
Schnittchen essen und vergessen
all die Dinge, die mich stressen.

Ach, die Erde dreht sich weiter
und wir werden nicht gescheiter.
Suchte ich den Sinn des Lebens,
weiß ich nun, es war vergebens.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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