27
Feb
2009

Alle Tiere dieser Meere

Hummer2

Fischlein auf dem Meeresgrunde,
schwammst so fröhlich deine Runde,
bis der Schleppnetzfischer kam.
Todesangst in deinen Blicken,
Blut rinnt über deinen Rücken.
Ich empfinde tiefe Scham.

Hummer, eingepfercht im Laden,
darfst zum letzten Male baden,
dann geht es auf Höllenfahrt.
Bange, quälend lange Stunden
sind die Scheren dir gebunden,
schließlich wirst du tot gegart.

Weiße Möwe, fliegst nie wieder,
ganz verklebt ist dein Gefieder,
und das bittre Ende droht.
Die Gewässer sind verdorben,
und so viele sind gestorben
schon der Ölpest schwarzen Tod.

Wale, Robben und Delfine,
Seeadler und Pinguine,
Austern, Seepferdchen und Hai,
alle Tiere dieser Meere,
sie verdienen Schutz und Ehre
statt der Menschen Tyrannei.

(Bild: Abraham Hendriksz van Beyeren, Großes Stilleben mit Hummer)
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23
Feb
2009

Fritzchen und das Meerfräulein

nymphe

Das Fritzchen fing sich Fisch ganz frisch
mit ein paar fetten Schnaken.
Bald zappelte ein Petersfisch
an seinem Angelhaken.

Das arme Fischlein bangte sehr
um sein noch junges Leben.
Es sprach: "Wirf mich zurück ins Meer,
will reichen Lohn dir geben!"

Fritzchen besaß ein weiches Herz
und leere Hosentaschen,
gab frei den Fisch trotz Magenschmerz,
wollt sich den Schatz erhaschen.

Er folgte ihm zum Meeresgrund
bis rüber zur Titanic,
tauchte vergeblich Stund um Stund,
geriet schon fast in Panik.

Da scharrte vorn am Riff ganz leis
ein Seepferd mit den Hufen.
Drauf saß ein Fräulein zart und weiß,
das hörte süß er rufen:

"Aloha, schöner fremder Mann,
bist nicht umsonst geschwommen
zu meinem Reich Poseidistan,
sei herzlich mir willkommen!

Aus schnödem Gold ist nicht der Schatz,
den du hier unten findest.
Doch war die Müh nicht für die Katz,
wenn du dich an mich bindest.

Ein Seeschloss aus Korallen rot
soll deine Wohnstatt werden.
Und küss ich dich aus Liebe tot,
gibt’s kein Zurück zur Erden."

Drauf's Fritzchen: "Liebes Meerfräulein
mit deinen grünen Haaren,
will herzlich gern dein Liebster sein,
doch bin ich unerfahren.

Gib sieben Tage Freiheit mir,
so will ich mich entfernen.
Und kehre ich zurück zu dir,
kannst du von mir was lernen.

Gib mir auch eine Auster mit
mit einer großen Perle.
Die Weiber haben Appetit
auf gut betuchte Kerle."

Das Meerjungfräulein lachte hell
und ließ ihn flink enteilen.
Das Fritzchen lief in ein Bordell,
wird heut noch drin verweilen.

(Bild: Arnold Böcklin, Meeresstille)
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22
Feb
2009

Der Gödeke Michels

Stoertebeker

Der Gödeke Michels, der war weltberühmt,
wie zehn Ochsen, so konnte der saufen.
Die Weiber, die warn alle verrückt nach ihm,
und wie ein Wikinger konnte der raufen.

Er war mit paar finstren Gesellen im Bund,
aye, sie waren der Schrecken der Meere.
Aber Michels und Störtebeker, der Hund,
waren Seeräuber gleichwohl mit Ehre.

Ein Rotschopf war des Gödeke Michels Schatz,
doch nicht von Dauer warn die seligen Zeiten.
Der Herzog von Mecklenburg machte Rabatz,
und Holland tat vor Helgoland sich streiten.

Die Brüder, für Holland auf Beutezug,
mussten eilends nach Norwegen fliehen.
Luberts Kogge gekapert, und ab ging's im Flug,
splitternackt die Hanse heimwärts ziehen.

Die Hamburger bliesen nun zur Menschenjagd,
und die Kogge, mit Fässern vollgeladen,
lief auf Grund. Michels Leute stritten unverzagt,
trotzdem nahmen sie gefangen die Soldaten.

Am Grasbrook enthauptet mit blankem Schwert,
die Köpfe vorm Stadttor aufgereiht auf Spießen.
Den Pfeffersäcken ist allein ihr Gold was wert,
Lieb und Ehrgefühl können sie nur verdrießen.

(Bild: Einbringung des Seeräubers Klaus Störtebeker in Hamburg 1401, nach einen Holzstich von Karl Gehrts)
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21
Feb
2009

Mein Junge, halt die Füße still!

Hans-Albers

Frei nach Hans Albers:

"Mein Junge, halt die Füße still
und mach nicht so’n Gesicht.
Es geht nicht alles, wie man will
und wie man sich’s verspricht.

Die Welt ist rund, die Welt ist schön,
und alles muss sich mit ihr drehn,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!"

Als ich gesegelt viele Jahr
wohl übers weite Meer,
kam mir in Rios Hafenbar
mal einer in die Quer.

Ich sagte: "He, du armer Wicht,
ich hack dich klein, vergiss das nicht,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!"

Als ich einst in Odessa lag
im Hafen hagelblau,
macht einer sich am hellen Tag
gleich her über die Frau.

Ich hätt ihn fast schon massakriert,
da ist er ganz schnell abgeschwirrt,
wie es das Schicksal will,
drum halt die Füße still!

Als einer mir ne Karte gab,
auf der ein Schatz sich fand,
fand er am Eiland bald sein Grab
und ich mein Heimatland.

So ist das Leben, bitte schön,
drum lass uns einen saufen gehn,
wie es das Schicksal will,
und halt die Füße still!

(Bild: Hans Albers)
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20
Feb
2009

Klein-Pietje

Kirchner

Klein-Pietje war ein armer Jung,
wuchs auf in Gassen voller Dung.
Den Vater hat er kaum gekannt,
die Mutter war stets abgebrannt.
Es herrschte Elend viel und Not,
das halbe Viertel war schon tot.

Da gab’s nur eines: Nichts wie fort!
Und schnell verließ er diesen Ort.
Als kleinen Schiffsjung zog es ihn
nach Norden bis nach Dublin hin.
Den letzten Penny opfert er
im Pub für Whiskey und Liqueur.

Da lacht ein Kind mit rotem Haar -
Seeräuber-Jenny ist’s, na klar -
dem lütten Pietje ins Gesicht,
sagt: "Deinen Penny will ich nicht,
denn du bist ganz allein mein Schatz!"
Und nimmt auf seinem Schoß gleich Platz.

In ihrer Kammer Stund um Stund,
da ging’s von nun an richtig rund.
Jenny hob grad ihr Röckchen hoch,
da sprach Klein-Pietje: "Guck, ein Loch!
Ich will es flicken dir im Nu!"
Und stopfte flink das Löchlein zu.

Sie liebten sich von Herzen sehr,
und Pietje ward das Herz so schwer,
auch Jenny weinte bitterlich,
als sie in tiefster Nacht fortschlich,
verkauft für ein klein Stückchen Brot:
Der Hunger war der Liebe Tod.

Der Pietje ward ein Trunkenbold,
fast hätt der Teufel ihn geholt,
fuhr über Ozeane hin,
hatte nur Seemannsgarn im Sinn.
Auf einem Eiland traf er dann
Jenny als Hula-Mädchen an.

Und in der Hütte Stund um Stund,
da ging’s von nun an richtig rund.

(Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Großes Liebespaar)
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18
Feb
2009

Berlinerick - Spandau

Spandau2

Es lebte ein Mieter in Spandau,
der war früh am Morgen schon ganz blau,
wollt "Herzilein" hörn,
die Nachbarn tat’s störn.
Jetzt schläft er erst mal bei der Barfrau.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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17
Feb
2009

Berlinerick - Wedding

Wedding

Es warn mal zwei Schüler im Wedding,
die machten statt Englisch gern Petting
auf dem Schülerklo,
and now they must go.
Der Sex war okay, nicht das Setting.

(Bild: Thomas Wenzl, Die Wiesenstraße bei Nacht)
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Berlinerick - Kaulsdorf

rohrpfuhl_kaulsdorf

Ein Briefträger draußen in Kaulsdorf,
der spuckte mal schleimigen Auswurf
dem Chef vor die Tür.
Als Quittung dafür
empfing er postwendend den Rauswurf.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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Berlinerick - Charlottenburg

Kudamm

Ne Dame betrachtet von ferne
am Kudamm versunken die Sterne.
Da kommt eins, zwei, drei
ein Touri vorbei.
"Wie wär's mit uns Zwein?" - "Aber gerne!"

(Bild: Der Kurfürstendamm)
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Berlinerick - Tiergarten

Tiergarten

Es war mal ein Mann in Tiergarten,
der wollt mittags nicht ewig warten,
bis Fisch auf dem Tisch,
drum aß er ganz frisch
Fuchs, Maulwurf und andere Arten.

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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16
Feb
2009

Keinen lausigen Penny

Piratenbraut2

Nun hört die Geschichte der Seeräuber-Jenny,
ein Leben, nicht wert einen lausigen Penny:

Vorm Haus eines Pfaffen in schmutzigen Windlein
lag nachts tief im Winter ein schreiendes Kindlein,
ein Mägdlein, unschuldig, der Traum jedes Pfaffen,
so tat der sich gleich in die Jenny vergaffen.

Die nächsten zwölf Jahre gab’s wenig zu grinsen,
ich las aus der Asche dem Pfaffen die Linsen,
hab nachts ziemlich hart auf dem Strohsack geschuftet
und bin mit dem Geld armer Seelen verduftet.

Ging betteln hartherzigen Bürgern zum Hasse
bei Wind und bei Wetter auf finsterer Gasse,
lag in der Spelunke sternhagelbesoffen,
wo ich meinen Godeke Michels getroffen.

Der Godeke Michels, der soff wie zehn Ochsen,
auch war er der weltbeste Champion im Boxen,
und schlief wie ein Lämmchen doch friedlich und warm
in Seeräuber-Jennys süß duftendem Arm.

Das Glück auf der Welt, ach, es nicht von Dauer,
es lagen die Schergen bereits auf der Lauer.
Sein Kopf steckt zur Warnung vorm Stadttor am Spieß,
worüber ich viel tausend Tränen vergieß.

Im Arbeitshaus hab ich mich Jahre geschunden,
gehungert, gefroren unendliche Stunden.
Dann, wieder in Freiheit, wurd aus mir ne Braut,
die nachts ihre Freier klammheimlich beklaut.

Als einer mir frech kam, da zog ich mein Messer,
sein Fettwanst trieb morgens im trüben Gewässer,
die Häscher und Henker warn hinter mir her,
so floh ich als Schiffsjunge weit übers Meer.

Kenn Steuerbord, Backbord, versteh was vom Entern,
doch hat’s nichts geholfen, der Kahn musste kentern,
schwamm flink wie ein Fischlein aufs nächstbeste Land,
und das ist als Seeräuber-Eiland bekannt.

Bin trinkfestes Liebchen von wilden Piraten,
verleite sie zu den gar schändlichsten Taten.
Auf meinem Popo ist gewaltig viel Platz
und als Tätowierung ne Karte zum Schatz.

Doch brauchst nicht zu suchen, meint Seeräuber-Jenny,
und hell klimpert in ihrer Tasche ein Penny.

(Bild: Kurt Hilscher, Piratenbraut)
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