20
Sep
2012

Plötzlich

Habe früh Kaffee getrunken,
bin in ein Gedicht versunken,
hab dann im Büro geschlafen,
musste Katerchen bestrafen.

Kaufte ein in aller Eile,
hatte abends Langeweile,
ging in Facebook, um die süßen
Freunde wieder mal zu grüßen.

Und erhielt zu später Stunde
plötzlich eine Schreckenskunde:
Dorothea liegt im Koma,
die doch grade noch so froh war.

Ist schon Zeit, um abzutreten?
Kann nichts tun außer zu beten,
wie es Raphus uns einst lehrte,
denn es träfe die Verkehrte.
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10
Sep
2012

Judenland

Nazi, Antifa, Muslim
werden selten nur intim.
Doch sie reichen sich die Hand,
geht es um das Judenland,

das sich gegen sie verschwor.
Lauthals rufen sie im Chor:
"Macht den bösen Judenstaat
endlich alle, macht ihn platt!

Denn es weiß ein jedes Kind,
dass die Juden Gauner sind,
lange Finger, Nase krumm.
Drum bringt man sie besser um.

Lasset uns die Trommel schlagen
und die Judensau verjagen,
wie es immer schon geschah,
auch mit Hilfe von Allah."
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2
Sep
2012

Kiek ma!

Für Günter Mehlhorn

Kiek ma da, kiek ma an,
tjibtn Dichta, dea heeßt gun,
wenn dea dichtet, isset fun.
Kinnas, watn jroßa Mann!

Dea is schlau, dea is frech,
dea is Schau! Ick schmeeß ma wech,
les ick eenen Limerick
von Mensch Meiers Missjeschick.

Nu is gun uffm Trott
gradewegs zum lieben Jott.
Ooch wenn gun gloobt, et jibt kein,
krichta dochn Heiljenschein.

Kiek ma ruff, kiek ma an,
sitzt da nich dea olle gun
uff ner Wolke dick und fett?
Schmeeß ma runta, dit Sonett!
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24
Aug
2012

II. Hinaus

Und bin doch frei so wie ein Spatz im Wind. -
Früh wollte ich dem engen Nest entfliehen,
mit wilden Schwänen durch die Lüfte ziehen
in Länder, die erst zu entdecken sind.

So träumte ich bereits als kleines Kind.
Der Wunschtraum war schon bald zur Tat gediehen,
ein Bilderbuch rasch aus dem Schrank entliehen
und fort ging’s über Stock und Stein geschwind.

Die Mama weinte sich die Augen aus,
der Papa fragte sich besorgt: "Was tun?"
Drauf liefen beide los, um mich zu finden.

Sie brachten mich am Abend heil nach Haus.
Seitdem sitz ich herum in Reiseschuhn,
bleib nur ganz kurz, um wieder zu verschwinden.
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I. Glückskind - Afortunada

Glückskind

Im tiefen Winter wurde ich geboren.
Wie meinem Sternenbild, dem Capricorn,
wuchs auf der Stirn mir links und rechts ein Horn
und hätte ich kein Fell, wär ich erfroren.

Und hätt ich meine Eltern früh verloren
und hätt nicht mehr zu essen als ein Korn
und spürte jeden Tag nur Hass und Zorn,
wie kalte Kugeln, die das Herz durchbohren,

dann hätt ich keine Ruhe, keinen Frieden,
könnt nicht mal meinen Namen buchstabieren
und wäre auch kein sattes Wohlstandskind.

So ist mir alles Glück der Welt beschieden,
ich habe jede Menge zu verlieren
und bin doch frei so wie ein Spatz im Wind.

Afortunada

Nacida en la temporada invernal,
cual la constelación de capricornio,
sobre la frente me crecían dos cuernos,
y si no tuviera un pellejo, habría muerto de frío.

Y si hubiera perdido a mis padres en tierna edad,
y no tuviera más que un grano que comer,
y recibiera cada día solamente odio y rabia,
como balazos fríos, los cuales atraversan el corazón,

entonces no viviría en paz,
ni siquiera sabría deletrear mi nombre,
y tampoco sería una hija del bienestar.

Así, la fortuna del mundo me sonríe,
tengo mucho que perder,
aunque soy libre como un gorrión en el viento.
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29
Jul
2012

Guter Rat für eine Hamburg-Reisende

Dein Koffer ist noch nicht gepackt
für Hamburg? Hummel hummel!
Mein guter Rat, willst du nicht nackt
auf deinen kleinen Bummel:

Fürs Tor der Welt ist sprichwörtlich
das Schiet Hamburger Wetter
und regnet's da ganz fürchterlich,
ist nur ein Schirm dein Retter.

Die Gummistiefel pack mit ein,
zwei Pullis, ein paar Jacken,
dann wirst du gut gerüstet sein
für alle Sturmattacken.

Vergiss den Feuerlöscher nicht,
so siehst du schwer beladen
der Roten Flora ins Gesicht
beim Schein der Barrikaden.

Die Urlaubskasse, welch ein Schock,
wird bald vor Leere gähnen.
Kannst dich ja dann im Minirock
an eine Ecke lehnen.

Nimm noch nen leeren Koffer mit
und fang dir ein paar Kerle.
Au weia, ich krieg Appetit
auf Hamburg, meine Perle!
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23
Jul
2012

Ein sehr kurzer Sommer

Die Liebe schien uns wie die Sonnenstrahlen,
so hell und warm, voll Heiterkeit und Leben,
vermochte uns die Leichtigkeit zu geben,
uns kühne, bunte Träume auszumalen.

Doch brannte sie so heiß, dass wir verglühten.
Da zogen schwarze Wolken sich zusammen,
ein Blitz schlug ein und alles stand in Flammen,
zerfiel zu Asche, wie wir uns auch mühten.

Der Sommer starb, kaum dass er angefangen,
an einem grauen Tag ist er gegangen,
dahin der goldne Glanz der Sonnenstrahlen.

Das Jahr vergeht, die Träume, sie verblassen.
Im Mantel geh ich durch die kalten Gassen
und leide nicht mehr länger Höllenqualen.
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22
Jul
2012

Alles Bio oder was

Schlägt mir der Biokoch ein Schnippchen
und reicht mir dreist ein Schweinerippchen!
Schrie ich denn nicht fortissimo
ihn an jüngst im Bistro Bardot:

"Bereite nur noch grüne Kost er,
sonst ab mit ihm in’ Paternoster!"
Und was macht er, der Küchenmeister?
Serviert mir Tier hier, Scheibenkleister!

Sieh an, jetzt will er sich verstecken,
fürchtet den Stock und die Stockflecken
auf seiner neuen Küchenschürze!
Nix da! Fix koch er Kohl mit Würze!
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8
Jul
2012

Ins Mühlviertel!

Sommer ist ins Land gezogen,
bald schon komme ich geflogen
wie ein kleins Waldvögelein.
Frische Luft und helle Sonne,
Burgen, Seen, welche Wonne!
Werde froh und glücklich sein.

Nach dem hektischen Getue
hier im Moloch find ich Ruhe,
Blümelein am Wegesrain.
Meine Schwestern, meine Brüder,
meine Freunde find ich wieder
in dem schönen Dichterhain.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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