19
Dez
2012

Klassenunterschied

Als ich ihn sah, da war mir klar,
dass er ganz faszinierend war.
Er war so stolz, ich schmolz dahin,
doch hat dies alles keinen Sinn.
Trotz wilder Lust ist mir bewusst,
am Schluss, da bliebe uns nur Frust.

Wir würden ja beim Wiedersehn
auf zwei verschiednen Seiten stehn,
denn er läuft beim Gesellschaftsspiel
gewiss als Sieger durch das Ziel,
trägt seidne Hemden weiß wie Schnee,
derweilen ich in Lumpen geh.

Erschiene ihm bald halb und plump,
an seinem Bein als schwerer Klump.
Will lieber fein bescheiden sein,
lass mich mit meinesgleichen ein,
mach mir nicht länger einen Kopf
um meinen Kropf, ich armer Tropf.
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3
Nov
2012

Machtlos gegen die Staatsmacht

Heute bin ich Dritte Wahl,
Dritte Wahl ist hart wie Stahl,
deshalb ist es keine Qual,
wenn ich sechzehn Euro zahl.

Hab zum Tanzen freie Bahn,
Einer schwenkt die schwarze Fahn,
sehe schon in meinem Wahn
ihn bald untergehn, den Kahn.

Hey, jetzt spielen sie Free Hasch!
Hab noch bisschen in der Tasch,
roll ne Tüte, gar nicht lasch,
schon hat mich der Cop am Arsch.

"Mach den Scheißdreck aus, sofort!"
Ungehört verhallt mein Wort
des Protests an diesem Ort,
rauch still weiter am Abort.

Eilt der Cop herbei im Trab,
nimmt mir meine Tüte ab.
Die fünf Finger bleiben schlapp,
und ich denk mir bloß: ACAB!
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10
Okt
2012

Hunger

Ich stell das Küchenradio an,
da sitzen in der Tür zwei Mann.
Zwei Augenpaare, gelb und grün.
Gespitzte Ohren. Jägersinn.

Der Erste ist ein Herr im Frack.
Ein weißer Bart ziert seine Back.
Fünf Messer hält er in der Hand.
Die Zahl der Toten? Unbekannt.

Der Zweite hat verwegnen Charme,
gilt überall als Mädchenschwarm.
In weichen schwarzen Samt gehüllt
ist er des Satans Ebenbild.

Vor heißem Hunger kocht das Blut.
Jetzt täte uns ein Nachtmahl gut,
drum will ich diesen Herren nun
das Fleisch auf ihren Teller tun.

Die Auberginen, die sind mein,
auch schenke ich mir Rotwein ein.
Es schmausen friedlich Mensch und Tier
in ihrem heimischen Revier.
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9
Okt
2012

Katerchen und Brüderchen

Katerchen ist braver Mann,
auf den ich blind vertrauen kann.
Am Fenster hält er morgens Wacht,
auch neben dem PC bei Nacht.

Die Stubenfliege an der Wand
nimmt ihre Beine in die Hand,
ein Tatzenhieb, hinein ins Maul.
Gemaunzt, bis ich den Bauch ihm kraul.

Er ist schon ziemlich rund und schwer,
frisst gierig alle Näpfe leer.
Und stiehlt er noch mein Käsebrot,
dann leidet er nie Hungersnot.

Brüderchen ist ein wildes Kind,
fegt durch die Wohnung wie der Wind,
versteckt sich hinterm Blumentopf,
man sieht nur seinen schwarzen Schopf.

Er ruht auf Polstern warm und weich,
der Kratzbaum ist sein Königreich,
der Frotteeteppich auch vorm Klo,
der Rattansessel ebenso.

Er ist so lieb und so charmant,
reibt seinen Kopf an meiner Hand
und beißt mir zärtlich in den Zeh
am Abend auf dem Kanapee.
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7
Okt
2012

Backe, backe, Kuchen!

Heute gehe ich nicht aus.
Lieber bleibe ich zu Haus.
will im hellen Vollmondschein
eine Knusperhexe sein.

Werde zeigen, was ich kann.
Back mir den perfekten Mann!
Die Idee ist ganz famos.
So, die Zauberei geht los:

Binde mir ein Kopftuch um,
Kätzchen macht den Buckel krumm,
schließ die Tür vor Horch und Guck,
rufe nach dem kleinen Muck.

Der schafft mir geschwind herbei
wundervolles Allerlei.
Lirum, larum, Löffelstiel,
in den Napf kommt ziemlich viel:

Blaue Augen von James Dean,
braune Haut von Steve McQueen,
Nasenflügel von Pierre Brice,
Rorys Lippen hönigsüß.

Die Figur von 50 Cent,
die Frisur von Cary Grant,
Mut von Muhammed Ali
und von Einstein das Genie.

Etwas Schwermut von Klabund,
von Villon der freche Mund,
von Karl Valentin der Witz
und Nurejews Zehenspitz.

Von van Helsings Blut ein Schuss,
drüber Mozarts Zuckerguss.
Damit in den Ofen nun,
Satan wird das Seine tun!

Durch die dicke Küchenluft
zieht ein feiner Kuchenduft.
Hokus, Pokus, Fidibus,
werde mir ein Hochgenuss!

Aus dem Herd ertönt ein Schrei.
Hurtig eile ich herbei,
zieh ihn aus dem heißen Loch.
Ei, wie knackig ist er doch!

Rede mit ihm Schullatein,
beiß ihm in das Ohr hinein,
schleck an seinem Nougatherz
voller Lust und Abschiedsschmerz.

Übrig bleibt ein kleiner Rest.
Bring ihn zum Geburtstagsfest
morgen meiner Schwester mit,
die hat immer Appetit!
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30
Sep
2012

Infantil

In einem schicken Puppenhaus
putzt sich ein Mädelchen heraus
wie die Prinzessin Lillifee
und seine Mama auch, au weh!

Vom Treppenhaus dringt Lärm herein,
dort schmeißt das liebe Brüderlein
sein Holzspielzeug mit lautem Knall
hinab und übt den freien Fall.

Derweil der Papa konzentriert
in seinen neuen Laptop stiert.
Der Highscore beim Computerspiel
ist Papas höchstes Lebensziel.

Dann radeln sie zum Eiscafé,
bestellen Latte, Bubbletee
und Cupcakes, dick mit Zuckerguss,
und Roseneis mit Schokokuss.

Dann fahrn sie auf dem Gehsteig rum
und nieten alle Leute um,
verscheuchen Tauben, oh, wie fein
kann ein Familiensonntag sein!

Man trifft auf dem Prenzlauer Berg
so manchen nervtötenden Zwerg,
mal einen, mal zwei Meter groß.
Du liebe Zeit, was wird das bloß?
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24
Sep
2012

Der Lebensborn der dritten Art

Ein kleines Kindlein wird geboren,
schon früh erklingt in seinen Ohren
ein zackiger Soldatenmarsch,
geblasen aus des Vaters Arsch.

Das Wunderkind wird zum Lateiner,
auf seinem Leibchen von Thor Steinar
prangt groß ein Fennecus Zerda.
Heia Safari Afrika!

Es lernt die dritte Halbzeit kennen,
lehrt die Kanaken, schnell zu rennen,
lernt Gleichschritt gehn im Fackelzug,
weiß, Auschwitz war nur Lug und Trug.

Es pflegt das Brauchtum der Germanen,
folgt blind den schwarz-weiß-roten Fahnen,
dem Rechtsstaat gilt sein Hohn und Spott,
sein blanker Hass dem Judengott.

Schließlich rasiert es sich den Schädel,
nimmt sich ein blondbezopftes Mädel,
man paart sich – und da ist sie schon,
die nächste Generation.

Der braune Schoß mit seinen Kindern
versteht’s, den Volkstod zu verhindern.
Der Lebensborn der dritten Art
ist Treibstoff auf der Höllenfahrt.

Lasst uns den Teufelskreis durchbrechen,
schenkt Kindern Liebe und ein Lächeln,
lehrt sie, dass Hass in unserm Staat
nie wieder eine Chance hat.
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23
Sep
2012

Ringelreihn

Einst hat er mein Herz gebrochen.
Doch kaum war es wieder ganz,
kam er lächelnd angekrochen,
bat mich um den Hochzeitstanz.

Hing der Himmel auch voll Geigen,
tanzt ich auch im weißen Kleid
Hand in Hand mit ihm im Reigen,
blieb am End nur Herzeleid.

Taler, Taler, du musst wandern
immerzu im Ringelreihn.
Er ging fort zu einer Andern
und ich wollt alleine sein.

Nun hör ich aus seinem Munde,
wie er mir von Liebe singt.
Ach, ich weiß, es kommt die Stunde,
da erneut mein Herz zerspringt.

"Frauen stehen auf Faschisten,
auf den Stiefel im Gesicht."
Als wir lila Fahnen hissten,
tönte ich noch: "Nein, ich nicht!"
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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