16
Jul
2013

Illusion

Du glaubst, du wärest hilfreich, gut,
verfügtest über Edelmut,
du wärst gesegnet mit Talent,
das unter deinen Nägeln brennt?

Du suchst nach Gleichgesinnten gar,
nach einer frohen Dichterschar,
die auch das Spiel mit Worten liebt
und dir so manchen Ratschlag gibt?

Du denkst, ein Forum wäre fein,
um richtig inspiriert zu sein,
dort wären sie von deiner Art,
sensibel, zugewandt und zart?

Ach nein, mein Kind, da irrst du dich,
die Menschen sind oft fürchterlich,
sind eitel, herzlos und gemein,
bald würden sie dich niederschrein.

Ganz schnell geschieht’s, dass man verdirbt,
dass schließlich alle Lust erstirbt.
Geh lieber in dein Kämmerlein
und fröne deiner Kunst allein.
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30
Jun
2013

Des Dichters Geist

Des Dichters Geist ersinnt die tollsten Sachen
in dem Bestreben, dass es ihm gelingt,
dass Andre über seine Streiche lachen,
sein Unglück eine Trän ins Auge zwingt.

Des Dichters Geist, befreit aus dem Gefängnis
der bangen Zweifel und der Einsamkeit,
gerät in Freiheit oftmals in Bedrängnis
und findet sich verstrickt in manchen Streit.

Des Dichters Geist lässt sich nicht gern belehren,
erst recht nicht aus dem unberufnen Mund.
Drum wird wohl das Geschwür auf ewig schwären.

Drum gibt es zur Versöhnung keinen Grund.
Drum lässt des Dichters Herz sich nicht bekehren.
Vergiss es, denk ich mir. Ja, aber... und?
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29
Jun
2013

Zigaretten

Willst du mich noch einmal retten,
schick mir Geld und Zigaretten!
Dieser Spruch aus alter Zeit
gibt fürs Leben mir Geleit.
Leis dazu die Lunge piept,
laut der Atem keucht und fiept.

Schon in frühen Kindertagen
braucht ich nur das Männchen fragen,
ging vor Wut ich die Luft.
Aller Ärger war verpufft,
griff beherzt ich zur HB.
Alles ging von selbst, juchhe!

Später sah ich Western gerne,
trabte in die blaue Ferne,
jagte manchen Buffalo
mit dem Mann von Marlboro.
Dreist hat diese Leidenschaft
mir der Krebs dahin gerafft.

Ach, wie der Verlust mich quälte,
bis ich ein Camel mir wählte
vom Basar im Morgenland.
Durch den heißen Wüstensand
lief ich mit ihm meilenweit.
Das war eine schöne Zeit!

Heute bin ich bodenständig,
dreh die Kippen eigenhändig,
bin ein guter Demokrat
und verzeihe meinem Staat,
der das Rauchen mir verwehrt
in den Bars - und rauch am Herd.

Ja, mein Staat, der ist mir teuer,
zahle gerne Tabaksteuer.
Schleicht ein Terrorist umher,
zahl ich gern auch etwas mehr.
Wenn der Magen knurrt und faucht,
wird ne Kippe halt geraucht.

Und fällt auch die Welt in Scherben,
lass mir’s Rauchen nicht verderben.
Siehst du Gräber dort im Tal,
sind’s die Raucher von Reval.
Siehst du eins am andern Ort,
huste mir ein Abschiedswort!
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25
Mai
2013

Der höchste Gedanke

Unser Freigeist, er entspringt
doch dem höchsten der Gedanken.
Wenn auch manches uns misslingt,
wenn wir auch am Abgrund wanken,

wenn auch unsre Erde bebt,
wenn die bösen Mächte toben,
der Gedanke überlebt,
denn das Gute kommt von oben.
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24
Mai
2013

Einem guten Atheisten

Für dich gibt’s kein höh’res Wesen,
magst nicht gern die Bibel lesen,
nicht auf die Ikonen starren,
nicht in Andacht still verharren.

Doch du kannst Gott nicht verwehren,
dass ihn deine Taten ehren.
Damit folgst du seiner Spur
und bist Teil seiner Natur.
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18
Mai
2013

Andere Zeiten

Wenn ich heut durch mein Viertel geh,
dann tun mir meine Augen weh.
Ich laufe kreuz und laufe quer
und ich erkenne es nicht mehr.

Die Kirche von Gethsemane
verdeckt ein Wohnhaus weiß wie Schnee.
Die Nachbarn aus dem Schwabenland
sind gut betucht und unbekannt.

Verboten ist die Live-Musik,
am Kollwitzplatz herrscht Spätzle-Krieg.
Ein freches Gör brüllt wie am Spieß,
dem man nicht seinen Willen ließ.

Das Schliemann ist schon lange zu,
auch Meister Brunzel hat bald Ruh.
Kein Opa singt mehr voller Hohn
ein Spottlied zum Akkordeon.

Kein Dichter mehr, der subversiv
dereinst zum Klassenkampf aufrief.
Kein Hausbesetzer macht Rabatz,
kein Trinker sitzt am Helmholtzplatz.

Kein Einsatz für die Feuerwehr,
auch kein Fabrikarbeiterheer.
Das große Gähnen macht sich breit
in dieser schönen neuen Zeit.
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Masse Mensch

Schon als zarter Knabe hold
hab ich eines nur gewollt:
Reichster Mann auf Erden sein!
Ließ mich aufs Gewinnspiel ein
um das viele schöne Geld
auf der großen weiten Welt.

Idealer Lebenszweck:
Borstenvieh und Schweinespeck.
Münzen, Noten, Wertpapier,
zum Befriedigen der Gier
eine große Knechteschar
und ein Hofstaat wie ein Zar.

Nur der Mensch bringt mir nicht viel
in dem Maximierungsspiel.
Er ist faul und kostet Geld,
hier wie in der Dritten Welt.
Ich ersparte mir den Lohn,
hätt ich endlich einen Klon.

Klar, der Mensch ist Konsument,
wie man Dümmeres nicht kennt.
Ich verkauf ihm Scheiß für Gold,
anders hat er's nicht gewollt,
Weiber, Wein und Comedy,
Massenvieh fürs Massenvieh.

Doch ist manches Exemplar
leider nicht berechenbar.
Mag der Mensch auch träge sein,
fängt er doch mal an zu schrein.
Michel wurde Demokrat,
Meinhof schritt zum Attentat.

Zeit wird's, dass die Wissenschaft
mir den Roboter erschafft,
der aus Fleisch und Blut besteht,
kaufen, saufen, raufen geht
und der fraglos und beglückt
auf die roten Knöpfe drückt.

Denn für jede Superdrohn
gibt's für mich nen Extralohn.
Könnt es so nicht immer sein?
Bringt mir einen Antrag ein
morgen früh ins Parlament,
wenn noch das Gewissen pennt!

Rasch das Teufelszeug gebaut,
Kruppstahl nehmt und Menschenhaut!
Massen schaffen im Akkord
Waffen für den Massenmord.
Und alles brüllt Viktoria
vom Belt bis Südwestafrika.

Demnächst hab ich es geschafft,
hab genug zusammgerafft,
sag der Masse Mensch ade,
hinterlass ihr fürs Souper
einen kahlen Erdenball
und entfleuch ins Weltenall.
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5
Mai
2013

Hochzeitssonett

Für Marleen und Lena

Am Karneval der Vielfalt der Kulturen
da haben sich die beiden einst gesehen
und unversehens war’s um sie geschehen,
um diese wunderhübschen Kreaturen.

Sie wollten ihren Weg gemeinsam gehen.
Wir finden auf dem Pflaster ihre Spuren
nach Parties, Demos und von Wandertouren.
Sie scheinen sich ganz prima zu verstehen.

Drum wird es ihnen ganz gewiss gelingen,
sich ein Familienleben aufzubauen.
Sie werden alle Hürden leicht bezwingen,

weil sie sich lieben, achten und vertrauen.
Bald hören wir ein Kinderlachen klingen
und können ruhig in die Zukunft schauen.
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28
Apr
2013

Anno Dutt

Ja, neue Männer braucht das Land,
die alten sind uns nicht verwandt.
Sie stammen noch von anno Dutt
und machen bloß die Welt kaputt.

Die Sklaven des Testosteron
sitzen als Herren auf dem Thron.
Sie saufen Wein und fressen Schwein
und pupen in den Sessel rein.

Ne Salome erfreut die Schwänz
mit einstudiertem Table Dance.
Mit krummem Rücken kniet im Dreck
ein Weib und schrubbt die Flecken weg.

Daheim hütet die Kinderschar
die Olle, wie’s schon immer war.
Wenn sie den Sinn nicht mehr berauscht,
wird sie postwendend ausgetauscht.

Im Drogeriemarkt sitzt ein Heer
Kassiererinnen, schuftet schwer
für Niedriglöhne und den Boss
auf seinem edlen hohen Ross.

Du fragst mich, ob ich bisschen spinn,
wir hätten doch ne Kanzlerin,
schaust nur der Puppe ins Gesicht
und siehst den Puppenspieler nicht.
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Verlorenes Paradies

Halbe Frau

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